Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Und ich habe den, Eindruck, die Mehrzahl von Euch wünscht, daß in Palästina die Voraussetzungen ihres Wiedereintritts geschaffen werden. Es ist ja auch nur schwer faßbar, daß man sich im KJV, spaltet, während man in der zionistischen Welt anfängt, vielleicht zu einer Befriedung zu kommen. Den Zusammenhalt mit den Ausgetretenen wollen wir, obgleich sie formell keine Kartellmitglieder mehr sind, weiter pflegen, z. B. durch Zusendung des „Jüdischen Willen", bis sie, hoffentlich bald, wieder ganz zu uns gehören. Kurt Tuchlers Man hat sich hier dagegen gewandt, daß Fragen des Rechts und der Gerechtigkeit eine Rolle spielen. Und man hat statt dessen die Mathematik zu Hilfe genommen und Betrachtungen über das Lebensalter, die Dauer der Ansäßigkeit in Palästina u. a. zahlenmäßige Begriffe angestellt. Ich halte es zwar für bedenklich, wenn gerade wir das Recht durch Zahlenberechnungen ersetzen wollen, immerhin müssen solche Betrachtungen dann auch von richtigen Zahlen ausgehen. Ich will daher kurz an Hand der Liste der Empfänger des „Jüdischen Willen" mitteilen, daß wir in Deutschland noch etwawJ[80 JBbr, Bbr. haben, im| Ausland, das zum Bereich des hiesigen Präsidiums gehört 535, in Palästina 570. f Für verfehlt halte ich, zu sagen, daß die im palästinensischen Kartell verbliebenen, die jüngeren, die dort ausgetreten, die älteren seien, mit dem Unter-* ton, als ob es deshalb weniger schade wäre. Es ist die Methode der afrikanischen Buschleute, daß sie die alten abschlachten und in die Wüste schicken. Mit Entschiedenheit muß ich auch Egon Rosenberg entgegentreten, wenn er die Differenzen drüben auf bloße persönliche Spannungen zurückzuführen versucht. Wir haben genügend Briefe, aus denen klar hervorgeht, daß es sich für die Ausgetretenen in Wirklichkeit, und nicht nur nach außen hin, um Fragen der echten Neutralität und der Gesinnungsfreiheit handelt, um Prinzipienfragen, nicht um Personenfragen. Es ist auch unrichtig, wenn Kanowitz sagt, auch jetzt sei das Kartell drüben neutral. Krojanker selbst erklärt uns das Gegenteil. Auch mit der Feststellung, daß es vielfach immer dieselben Gegner seien, ist nichts anzufangen. Die Frage ist ja vielmehr, ob diese Menschen, die natürlich, gerade weil es sich um sachliche Gegensätze handelt, oft langjährige Gegner sind, weiterhin alle innerhalb des KJV. Platz haben, wie bisher, oder ob plötzlich nur mehr die Anhänger der einen Richtung. Wir können von hier aus nicht unmittelbar eingreifen in das Geschehen drüben. Aber wir können in unserem Rahmen hier das drüben verlassene Prinzip des KJV. aufrechterhalten abstellen auf die Betätigung, nicht auf die gesinnungsmäßige Richtung des einzelnen, nicht ganzer Gruppen. Aber in dieser Auffassung, daß wir hier im KJV. die Linie der zionistischen Einheitsfront wahren, liegt ja schon eine Stellungnahme zum Verlassen dieser Linie drüben. Und in dem Beibehalten unserer Linie liegt und soll liegen eine moralische Stützung für alle diejenigen, die sich drüben zu den gleichen Prinzipien bekennen. Salli Hirschs Hans Klee hat ganz recht, daß das Unterlassen einer Resolution eine große Verantwortung auf das Präsidium legt. Und ich glaube, ich habe deshalb die Pflicht auszusprechen, wie das Ergebnis der heutigen Tagung von mir aufgefaßt wird. Ich möchte eine Resolution Tannenbaum (Köln) und Kleiner (Breslau) verlesen. 39