Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Schwergewicht ganz wo anders liegt. Wenn wir heute hier in Deutschland diese Abstimmung haben würden, würden die Leute mit meiner Auffassung hoffnungslos in der Minorität bleiben, weil hier nämlich alles alte Herren sitzen, die über ihren persönlichen Konflikt mit den damaligen Leuten nicht wegkommen, weil auf allen grundsätzlichen Diskussionen des KJV. seit 1919 Immer dieser Punkt der Piece de resistance war. Ich war dafür, daß wir keine Resolutionen fassen. Ich habe das damit begründet, daß wir nicht denselben Fehler machen wollen, wie die Bundesbrüder in Palästina. Wir wollen nicht einen Riß, der entstanden ist, weiter aufreißen, wir wollen ihn auch nicht verkleistern, In der Liste der Ausgeschiedenen ist ein einziger Bundesbruder unter 25 Jahren. Wir haben aber eine ganze Menge Jüngerer drüben. Ich glaube, wenn man überhaupt zu einem Ergebnis kommen will, nur auf diese Weise, daß man feststellt, welches sind die Differenzpunkte und welches sind die Punkte, in denen Uebereinstimmung herrscht, dann nur hat das Präsidium die Möglichkeit, seine Handlungsweise einzurichten. Uebereinstimmung besteht darüber: 1. daß die Revisionistenbeschlüsse nicht auf Deutschland angewandt werden, 2, über die Tatsache, daß wenn jemand aus dem Landesverband Erez Israel austritt, dann der Austritt aus dem Kartell erfolgt ist. Wir sind uneinig darüber, welche Stellungnahme wir einzunehmen haben. Von der Auffassung von Kanowitz, der für eine Billigung des Präsidiums Krojanker ist, bis zu der von Jacobsohn, der ausdrückliche Mißbilligung aussprechen will, gibt es alle. Schattierungen. Es wäre falsch, wenn wir jetzt einfach eine Abstimmung machen würden. Wir müssen versuchen, darauf hinzuwirken ,daß niemand austreten muß. Es gibt keinen Gewissenszwang. Wir haben auch die Verpflichtung, zionistisches Vertrauen zu dem Präsidium in Erez Israel zu haben und ihre Beschlüsse deshalb zu respektieren, umso mehr, als wir hier von einem sehr grünen Tisch aus kein Urteil und keine Vorschläge abgehen können. Bbr. Hans Klees Ob die jüngeren Bundesbrüder drüben stärker auf Seiten des Palästina- Präsidiums stehen, ist noch sehr fraglich, aber auch egal. Viele von ihnen arbeiten in den Kolonien, tun ihre Pflicht und kümmern sich um diese leidigen Sachen garnicht. Im übrigen sehe ich jüngere auf beiden Seiten. Dadurch, daß eine Resolution nicht gefaßt werden wird, habt Ihr die letzte Entscheidung über die Stellungnahme zu den Palästinabeschlüssen dem Präsidium überlassen. Ich will daher gleich heute und hier zusammenfassen, wie sich mir die Meinung dieser Tagung darstellt. Ich glaube, daß Ihr in den Beschlüssen ein Abgehen von der traditionellen Linie des KJV., nämlich der innerzionistischen Neutralität seht und ich bin darin Eurer Meinung. Es wäre zwar bedauerlich, wenn Bundesbrüder, die hier früher zionistische Arbeit geleistet haben, drüben darauf verzichten müßten. Aber das Kartell darf nicht den Weg zur politischen Arbeit in Palästina bilden. Die Aufforderung des neuen Palästina-Präsidiums an die Bbr. Bbr. drüben, der Kidma beizutreten und die Personalunion zwischen den beiden Organisationen sprechen dafür, daß dieser Versuch gemacht wird. Wir freuten uns, daß die allgemeinen Zionisten aller Gruppen in Krakau zu einer Einigung kamen. Leider haben einzelne geglaubt, nicht auf Sonderbestrebungen verzichten zu können: sie gründeten eine eigene neue Organisation. Kidma bedeutet Schisma« Das keiner die Uebertragung der Palästinabeschlüsse auf das deutsche Kartell wünscht, ist klar zum Ausdruck gekommen. Ebenso klar ist es, daß wir den Austritt so vieler mit der besten und bewährtesten Bbr. Bbr. aufs herzlichste bedauern. 38