Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Fritz Webers Es ist von meinem Vorredner genigt worden, daß nicht mit genügender Herzlichkeit das Bedauern über den Austritt der 75 ausgesprochen wurde. So schmerzlich der Verlust so vieler wertvoller Bbr. Bbr. auch ist, — ich glaube,, daß es nicht der eigentliche Kern des Problems ist, darüber zu reden. Worum es sich wirklich handelt, das hat Krojanker in seinem Referat auf der Tel-Aviver Tagung deutlich dargelegt. Er sagt: Das Kartell hatte in der Galutb Erziehungsaufgaben. Diesen Erziehungsaufgaben' entsprach eine parteipolitische Neutralität, In Palästina aber hat das Kartell ganz andere Aulgaben, weil sich seine soziologische Struktur geändert hat. Daher muß das Kartell in Palästina seine Neutralität aufgeben. — So wurde dies von Krojanker in ganz allgemeiner und abstrakter Form gesagt. Der Beschluß, daß die Zugehörigkeit zur rev. Union unvereinbar mit der Zugehörigkeit zum Kartell ist, stellt sich nur als ein spezieller Anwendungsfall dieser allgemeinen Tendenz dar. Es ist ein Verrat am KJV.-Geist« wenn jemand wegen seiner allgemeinen Zugehörigkeit zu einer politischen Partei ausgeschieden wird, wenn ihm nichts Spezielles vorzuwerfen ist. Wir wußten immer, wer zu uns gehört, und kein Mensch ist dagegen, daß diejenigen, die sich nicht KJV.-mäßig aufführen, aus unserem Reihen ausgestoßen) werden. Aber ich wehre mich dagegen, daß man diesen allgemeinen Beschluß in Palästina gefaßt hat. Gerade dadurch Wird das Kartell $eine Aufgaben in Palästina *er- Kerenf Denn Was können wir Jäckes denn schon Besseres in Palästina leisten, als Vorbilder zu sein jener Wesenshaltung, die jedem Zionisten mit dem Gefühl gegenübertritt: „In welchem Lager innerhalb des Zionismus Du auch stehst, wir smd verbunden durch das gemeinsame Ziel!" Ihr seid Euch nicht klar darüber, daß der Revisionistenbeschluß mit der Krojänkerschen Begründung dazu führen kam», daß in Zukunft auch andere zionistische Gruppen aus dem Kartell herausgedrängt werden können. Wenn die Histadrüth einmal einen Beschluß faßt, der anderen Richtungen nicht paßt, dann können wir es erleben, daß die Arbeiter aus dem Kartell herausgeworfen werden. Dann wird es soweit kommen, daß, wie man es hier genannt hat, nur noch das „Linke Zentrum" seine Vertretung im Kartell findet. Und ich wehre mich dagegen, daß unter dem Namen „Landesverband" eine neue rein parteipolitische Gruppierung entsteht. Ein letztes Wort zur Frage der Befriedung: Ich bin der Meinung, daß, wenn das KJV. eine Avantgarde sein will, es nicht abwarten darf, bis der vollgültige Befriedtmgsbeschluß zustande gekommen! ist. Wenn es unsere Aufgabe ist, vorbildlich zu sein, dann müssen wir mit d«r inneren Befriedung vorangehen! Felix Jacobsolms Für diejenigen, die mich nicht kennen, bemerke ich, daß ich zur Kadimah gehöre und Mitglied der Staatszionistischen Organisation bin. Wenn ich nicht von allen guten Geistern verlassen) bin, dürfte mein Eindruck nicht ganz unrichtig sein, daß mindestens ein unbehagliches Gefühl bei sämtlichen Teilnehmern über die Beschlüsse von Tel-Aviv besteht. Diese Meinung der überwiegenden Mehrzahl muß m. E, dem Landesverband Erez Israel »um Ausdruck gebracht werden und auch den anderen Bundesbrüdern in Erez Israel* auch den Ausgetretenen. Die Geschältsordnungsdebatte verhindert es ja, eine Resolution zu fassen. Gleichwohl bedaure ich die Debatte nicht; denn praktisch wäre ja mit einer Resolution verdammt wenig gewonnen. Inhaltlich müßte die Resolution die Stimmung der meisten Teilnehmer zum Ausdruck bringen, daß man sich die Beschlüsse von Tel-Aviv nicht zu eigen macht und 3*