Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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man hier Reden hält, die vor dem Friedensabkommen vielleicht begreiflich gewesen wären. Dieses Friedensabkommen ist ein Markstein in der zionistischen Entwicklung. Und die Rundschau hat sich diesmal hundertprozentig anständig benommen — ich will ihr das ruhig einmal bescheinigen —, wenn sie sagt, sie wölk noch nicht über diese Dinge schreiben. Unter diesen Umstandeni hätte der Artikel von Felix Rosenblüth gar nicht in den „Jüdischen Willen" aufgenommen werden dürfen. Im Zustand der beginnenden Befriedung Dinge, die auf dem Absterbeetat sind, hervorzuholen und sie als letzten Triumph auszuspielen, das sehe ich als ein Unrecht an. Ich glaube, daß die Stimmung des deutschen Kartells es nicht so unwichtig nimmt, was man den sogenannten Prorevisionisten vorwirft. Diese Pseudorevisionisten haben etwas Verstand. Es ist kein „Schmus", wenn man von BundesbrüderlicJkeit redet. Ich glaube, wir sind uns alle einig, daß wir diese Dinge nicht auf Deutschland übertragen dürSen. Entscheidend ist es, daß das Palästina-Präsidium erfährt, daß das deutsche Kartell sich f ür die Tradition entscheidet. Nur wenn das Kartell „Bund* bleibt, wird es über* haupt bleiben. Ernst Gottheit: Ich sehe, daß die Dinge so verworren sind, daß Tuchler und Blumenthal einem Beschluß des Präsidiums zugestimmt haben, den sie heute erklären, aber sicherlich danach nicht in seiner Tragweite verstanden haben. Man konnte immer aus der einen Kartellverbindung austreten und in der anderen Verbindung bleiben. Rosenberg hatte ganz recht. Unter den Ausgetretenen sind vier Revisionisten); die anderen sind aus persönlichen Gründen ausgetreten. Allerdings war die Auffassung, die Rosenberg vertrat, einseitig. Ich glaube, daß Blumenfeld auf dem Kartelltage den gleichen Fehler gemacht hat, den wir auch sonst beobachtet haben. Und die Reaktion der dann ausgetretenen Bundesbrüder ist verständlich. Am schuldigsten sind natürlich die Ausgetretenen. Austreten bedeutet Aufgabe einer Position. Nun frage ich mich, ob es so furchtbar ist und ob es wirklich der Untergang des KJV. ist. Gewiß, bei einigen tut es mir sehr leid, daß sie nicht mehr zu uns gehören, aber alle diese persönlichem Sympathien und Antipathien können wir nicht bis in die Ewigkeit mitschleppen. Ich könnte mir vorstellen,, daß noch mehr Bundesbrüder austreten, nämlich diejenigen, die glauben, den Kurs Blumenfeld nicht mitmachen zu sollen, und ich weiß gar nicht, ob eine Spaltung ein so großes Unglück wäre. Hamburger hat mehrfach die Dinge verschoben; er hat um die Sache herum geredet. Er warf dem Präsidium vor, daß es gewisse Dinge nicht getan habe, und er hat dem Blumenfeldschen Kreis Ausnutzung des KJV. zu Parteizwecken vorgeworfen. Die anderen haben* ja auch versucht, das KJV. in ihrem Sinne zu beeinflussen, es ist ihnen nur nicht gelungen. Ich weiß nicht, ob es richtig ist, daß eine akademische Organisation großzügiger sein soll als die Masse der Straße im Anhören von Dingen, die in dem immer noch aktuellen Brief von Rosenblüth erörtert werden. Nachdem wir jetzt einen Artikel „Friede?" im „Staatszionist" gelesen haben, halte ich den Brief von Rosenblüth für aktuell. (Zuruf: Wie kannst Du das im Augenblick des Friedensschlusses sagen? — Salti Hirsch: Für uns ist der Friedenspakt überraschend gekommen, und ich glaube nicht, daß Blumenfeld im August etwas davon gewußt hat-) Hamburger sprach sehr viel von Bundesbrüderlichkeit, und ihm sagte ein 2»