Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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einen Beweis dafür erbringen kann, daß sich Bundesbrüder in einer Richtung betätigt haben, die mit KJV.ertum unvereinbar ist. Wir haben feststellen können, daß sich revisionistische Bundesbrüder ständig von den Formen der revisionistischen Politik distanziert haben. Nun wird gesagt, diese Erklärungen seien belanglos, solange sie nur platonischen Charakter trügen. Man übersieht dabei, daß es in Palästina keine einheitliche revisionistische Partei gibt Es gibt Menschen, die sich von den bereits bestehenden Parteien distanzieren. In ihren Anschauungen haben sie zum übergroßen Teil wenig Gemeinsames. Man kann daher auch den einzelnen nicht dafür verantwortlich machen für das, was irgendeine revisionistische Zeitung schreibt. Man kann nur gegea jeden' Bundesbruder einzeln vorgehen, sofern er sich in einer unangemessenen Form betätigt. Wir müssen daher versuchen, den Zusammenhang mit den ausgetretenen Bundesbrüdern auf jeden Fall aufrecht zu erhalten. Hugo Tannenbaum, Kölns Wir haben uns vor einigen Tagen auf dem Konvent des BV, Rheinland ausführlich über die KJV.rEreignisse in Palästina unterhalten, und wir alle hatten den Eindruck, daß hier etwas geschehen ist, was von jedem KJV.er Standpunkt aus zu bedauern ist. Und trotz eifrigsten Studiums des „Jüdische« Willens0, in dem ja so viel Pro und so wenig Contra hinsichtlich des Palästina- Beschlusses gesagt ist, konnten wir uns zu keiner neuen Erkenntnis durchringen. Es blieb die alte Erkenntnis, daß wir sagen müssen: „Armes jüdischen Volk" — deswegen, weil wir es an und für sich schon sehr bedauerlich finden, daß in einer Zeit des Aufbaus und des Neubeginns diese Zerklüftung innerhalb des gesamten zionistischen Lagers herrscht; und weil jetzt diejenige Gruppe von Menschen, die wir alle einst als die „Avantgarde" des Zionismus betrachteten, diese Zersplitterung in noch schärferer Form mitmacht. Wir dürfen doch nicht vergessen, daß ein großer Teil der Menschen, die jetzt in Palästina von uns gegangen sind, Wegbereiter gewesen sind für diejenigen, die nach ihnen gekommen sind. Wir haben den Eindruck, daß hier mit der Bundesbrüderlichkeit etwas geschehen ist, was nicht gerade als fair zu bezeichnen ist und was in jeder Hinsicht zu bedauern ist. Wir glauben, daß, wenn wir auf diese Weise fortfahren, das Ende des KJV. schneller herbeigeführt wird, als je einer von uns geglaubt hat. In einer Zeit, in der wir an und für sich schon die Aufrechterhaltung des KJV. als höchst problematisch empfinden, sollte doch von verantwortlicher Seite alles unterlassen werden, was zur Zertrümmerung des KJV.~Gedankens führen kann. Wenn wir von einer gefühlsmäßigen Betrachtung dieser Dinge absehen und die praktische Seite dieser Angelegenheit betrachten, so müssen wir uns fragen: Was wird denn eigentlich durch diese Spaltung erreicht? Denn u. E. wird weder erreicht, daß der Revisionismus sich ändert, noch sonst etwas, Wenn wir die Kampfmethoden des Revisionismus verurteilen wollen, so gibt es hierfür die Möglichkeit eines ganz eindeutigen Beschlusses des KJV.: denn wir und auch die ausgetretenen Bundesbrüder in Palästina sind uns alle darüber einig, daß manche Kampfmethoden des Revisionismus auf das schärfste zu verurteilen sind. — Wenn nun jedoch Egon Rosenberg ganz andere Argumente ins Feld führt und darauf hinweist, daß es sich hier gar nicht um das Kapitel „Revisionismus" handelt, und daß dies eigentlich nur ein „vorgeschobener" Grund sei, so muß ich sagen: dann sind mir die ganzen Geschehnisse erst recht unverständlich. Denn wenn die alten Ressentiments jetzt in Palästina aus« 26