Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2827066-3186711-3186712--0952-3186975- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
75 Leute aus in einer Solidarität, die einen Kristallisationspunkt haben muß; sie treten aus, und zwar nicht aus Sympathie, sondern aus Antipathie, Unter den 75 Leuten, die ausgetreten! sind, sind Menschen, die mir vielleicht von allen Bbr. Bbr. am nächsten stehen, deren Ausscheiden mich zutiefst trifft* Wo haben wir die Pflicht, die Bundesbrüderlichkeit einzusetzen? Bundesbrüderlichkeit muß sich bewähren auf beiden Seiten« Diejenigen, die nicht ausgetreten sind, haben doch zumindest dasselbe Recht, unsere Treue zu verlangen, wie die anderen« Deshalb kommt es uns garnicht zu, in dieser Frage eine Entscheidung zu treffen. Jeder einzelne kann seinem persönlichen Freund schreiben. Aber das KJV. als solches kann keine Solidarität mit den Ausgetretenen haben. Für uns gibt es ein legitimes KJV. in Palästina, und wenn eine Gruppe drüben mit Disziplinbruch reagiert, so ist das deren Sache. Wir müssen mit Gegensätzlichkeiten rechnen, dürfen uns aber auch nicht von persönlichen Sympathien beherrschen lassen. Das KJV. hat in Abwehr die Revisionisten hinausgedrängt. Wir dürfen das KJV. nicht dadurch zerstören, daß wir eine Art Freizügigkeit gestatten, in Erez nicht Mitglied und Mitglied hier wohl zu sein. Wenn wir wünschen, daß diejenigen Bbr. Bbr., die nicht Revisionisten! sind, zurückgewonnen werden, so sollen wir das Präsidium in Erez veranlassen, an diese Leute heranzutreten, vielleicht in einem Briet, der menschlich gefaßt ist und die ganze Stimmung der Auseinanderentwicklung darstellt und erläutert. Ich glaube nicht, daß es viel Erfolg haben wird. Ich glaube, daß unsere platonischen Wünsche sich nicht erfüllen werden. Worauf ich hoffe, ist, daß wirklich dem Kampf Revisionismus und zionistische Organisation die Schärfe genommen wird und daß dann vielleicht — und jetzt möchte ich etwas sagen, was Ihr ablehnen werdet, wenn zwischen Revisionisten und zionistischer Organisation wirklich ein Friede zustande kommt — eher die wirklichen Revisionisten zurückkehren werden als die Sympathiker. Die sind beim ersten Anlaß ausgetreten, wo sie in Palästina wieder dieselben Menschen an der Spitze des Kartells gefunden haben, die auch in Deutschland am Ruder waren. Es sind die Bundesbrüder, die auch in Deutschland furchtbar gern ausgetreten wären, Wenn sie für diesen Austritt eine so schöne prinzipielle Basis gehabt hätten, wie sie in Palästina geliefert worden ist Das läßt sich nicht durch Abstimmung, sondern durch Stimmung entscheiden. Ich mißbillige beide Seiten; des Kampfes. Wir müssen hinnehmen, daß Gegensätzlichkeiten, die immer schon bestanden, selbstverständlich in diesem politischen Augenblick nicht so schnell beseitigt werden können; Auflockerung ist auf allen Gebieten in Palästina, auch im KJV. vorhanden. Nur Traditionsmomente halten uns zusammen. Ich erkenne den Wert der Tradition, den seelischen Wert an. In Palästina wird vieles erschüttert. Den 75 Leuten bis auf 5 Revisionisten ist der Revisionismus Hekuba, Und die Methoden des Revisionismus werden von ihnen verurteilt, wenn es dazu kommen, wird, daß der Friede in Palästina zustande kommt, dann wird vielleicht unter dem gewaltigen Eindruck einer Friedensbewegung wieder eine Fusion stattfinden. Sie wird nicht bedingt sein durch die Aufhebung formaler Beschlüsse, sondern sie kann nur bedingt werden durch die allgemeine Friedensstimmung, daß die Menschen friedlicher werden und sagen, wir wollen zusammenarbeiten. Es ist unser Wunsch und unser Wille, dies zu erzielen. Georg Joel, Breslaus Ich bin vor mehreren Wochen von einem längeren Aufenthalte in Palästina zurückgekommen und habe dort Gelegenheit genommen, mit einer Anzahl von Bundesbrüdern über den Revisionistenbeschluß zu sprechen. 24