Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber auch, wenn Krojanker mit dieser Grundlegung Recht hätte, können so zweifelhafte und umstrittene Auffassungen (siehe Brief von Hecker) das neue Programm des KJV, und letzten Endes Kriterium für die Zugehörigkeit zum KJV, nicht sein. Aufgabe dieser Tagung ist, uns gegenseitig zu unterrichten; Eure Aufgabe, uns über Eure Ansichten zu unterrichten, und unsere gemeinsame Aufgabe, einen Weg zu finden, hier als KJV.er weiter zu existieren und zu vermeiden, daß die Spaltung auch in unsere Reihen getragen wirdr andererseits aber, das was unsere Meinung ist, zu deutlichem Ausdruck zu bringen, auch den Bundesbrüdern in Palästina. Egon Rosenbergs Als ich zum ersten Mal von diesen Dingen hörte, da war bei mir zunächst das stärkste Empfinden: Hier liegt ein Faktum vor, das geeignet ist, einen an der Erfüllungsmöglichkeit des Zionismus verzweifeln zu lassen. Wenn es nicht möglich ist, im Augenblick des Aufbaus einen Kreis, der eine gemeinsame Erziehung hat, aus dem gleichen Milieu kommt und eine gemeinsame Aufgabe hat, zusammenzuhalten, dann ist das eines der Glieder, die sich in der Geschichte unseres Volkes zu einer verhängnisvollen Kette geschlossen haben, und das scheint dafür zu sprechen, daß in uns etwas Zersetzendes ist. Dieser Eindruck, wenn er auch gewiß übertrieben ist, ist bestehen geblieben, obschon ich auf Grund der erhaltenen Nachrichten über vieles anders denke, als zuerst. Wir haben hier in Deutschland keine Trennung vollzogen und haben das vereinigende Prinzip im KJV. bejaht. Man muß aber die dortigen Vorgänge aus der Situation Palästinas beurteilen. Klar wurde mir die Sache erst aus dem Briei von Rosenblüth an Steinitz, der eine Aneinanderreihung von unleugbaren Tatsachen ist. Diese Ausführungen beleuchten die Situation in Palästina in einem Sinne, daß man verstehen muß, daß das Gefühl der Bundesbrüderlichkeit in zweiter Linie kommt, wenn man glaubt, es gehe ums Ganze. Stellt Euch vor, daß in einem Lande Dinge geschehen, die geeignet sind, alles, was man mit aller Intensität des Herzens erstrebt, zu ruinieren! und in den/ Schmutz zu ziehen. Ich muß sagen: wenn der Jischuw in Palästina in dieser Lebensgefahr durch diese Art der Revisionistischen Campagne steht, so kann und muß eine andere Abwehr stattfinden und eine andere Betrachtung Platz greifen, als bei Auseinandersetzungen in akademischen Kreisen. Lasse ich die Rede von Tuchler auf mich wirken, so müßte ich sagen, der Kartelltag habe 75 Mitglieder hinausgedrängt. Aber es ist nicht so. Der Kartelltag hat sie nicht hinausgedrängt und ausgeschlossen, sondern er hat an die Menschen, die erleben, wie alles ruiniert wird, die Frage gerichtet, ob sie das billigen. Es ist hier doch auch ähnliches gewesen. Mit einem Manne wie Hamburger, der aus romantischen Sentiments heraus den revisionistischen Ideen anhängt, kann ich wohl über seine Ideen sprechen. Aber es ist unerträglich, immer wieder zu hören, daß man gewisse Ausschreitungen nicht deckt und gewisse Dinge verurteilt, aber doch mit den Leuten am selben Vorstandstisch sitzt. Man muß aber einmal Schluß machen mit den! Redensarten vom „Nicht-decken" und „Verurteilen". Man muß auch einmal den Satz umkehren und muß sagen: Wer nicht gegen die ist» die «so gegen uns sind, der ist gegen uns und der kann nicht mit uns zusam- \ menarbeiten. Wer darauf ausgeht ,dieuEoi^s-«*-«iinw 4is- : kreditieren, die Organisation zu sprengen, der ist unser Feind. Ünd wer nicht ) mehr die Kraft hat, dies zu bedauern, aber dann an diesen Dingen weiter mitarbeitet — ja, Bundesbrüderlichkeit ist ein schönes Gefühl, baut sich aber auf der Gemeinsamkeit der Idee auf —, kann nicht Bundesbruder dessen 22