Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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gelegt wurde, zeigt auch ein anderer von unserem letzten Kartelltag angenommener Beschluß, wonach Wiederaufnahmen der Zustimmung beider Präsidien unterliegen, Daß bei dieser Sachlage, die sich der allseits noch im Begriff befindlichen Entwicklung anzupassen versuchte, der Ausschluß bzw. Austritt aus dem einen Kartell nicht in der Weise erfolgen kann, daß der Betreffende korrespondierendes Mitglied des anderen Kartells bliebe bzw. richtiger: würde, dürfte schon verständlicher sein. Es handelte sich gewissermaßen um eine allerdings nur entsprechende Anwendung des § 73 der Kartellordnung. Und wenn auch die beiden. Kartelle nicht im Verhältnis von Ueber-Unterordnung zueinanderstehen, so sollte eben, wenn man nicht einer in jeder Hinsicht sachlich und persönlich gegensätzlichen Entwicklung den Weg bereiten wollte, das gleiche auch für das Verhältnis der Nebenordnung gelten. Bei der viel erörterten Feststellung des hiesigen Präsidiums, daß die drüben Austretenden hier nicht Mitglieder im formellen Sinne sein bzw. bleiben könnten, handelt es sich um einen deklaratorischen Beschluß! Wir waren der Ansicht, daß es nach den bisherigen Rechtsverhältnissen so sei, daß Ausscheiden aus dem einen Kartell das Ausscheiden aus dem gesamten Kartell herbeiführe, weil ja, genau genommen, der Ausgewanderte hier bereits automatisch ausgeschieden sei und das informelle bundesbrüderliche Band nur durch das Medium der Mitgliedschaft zum KJV. drüben noch geknüpft würde. Wir werden jene sachliche Uebereinstimmung, deren bloßes Korrelat die Gestaltung der persönlichen Mitgliedschaftsverhältnisse sein sollte, weiter zu erstreben haben. Wenn es sich aber einmal herausstellen sollte, daß es mit der sachlichen Uebereinstimmung endgültig vorbei ist, dann kann allerdings auch für die Neugestaltung der persönlichen Mitgliedschaftsverhältnisse eine andere Lage eintreten.--- Wenn ich sage, daß dies Problem der Ersetzung der negativen Ausschlußbeschlüsse durch positive Kriterien; auf dem Kartelltag drüben überhaupt nicht erörtert ist, daß unsere Vorschläge drüben glatt unter den Tisch gefallen sind und daß man auch die Anregungen des früheren Präsidiums in Palästina nachträglich als private Aeußerungen abgetan hat, so bin ich wohl berechtigt von einer traurigen Entwicklung zu sprechen. Der Sinn dieser Tagung ist ja die freie Ausspradhe, und wir erwarten von Euch, Eure Meinung unverhüllt zu hören. Erinnert Euch einmal f daran, mit welcher Bewegung Ihr die Nachricht aus der Presse aufgenommen habt, als hier ganz andere akademische Verbände um die Mitgliedschaft einzelner gekämpft haben. Ohne daß wir zu diesen uns fernliegenden Kämpfen Stellung nahmen, mußten uns der Mut und die Treue, die daraus hervorgingen, menschlich ansprechen. Ich habe das sehr bestimmte Gefühl, daß das, was in Palästina geschehen ist, das Gegenteil von solchem Mut und solcher Treue ist, nämlich einfach ein Unrecht. Wenn Krojanker sagt, es sei „keine Rechtsfrage", so bestätigt das lediglich meine Auffassung. — Bezüglich der ausgetretenen Bbr. Bbr, muß man es einmal aussprechen, daß man ihre Stimmen nicht zählen, sondern wägen soll. Man müßte hier um sie eine Klage anstimmen, wie David um Jonathan, denn leid ist es um jeden, den wir verloren haben. Ich will nur einige wenige Namen nennen; da ist Grünfelder, der jahrelang ein praktisches KJV.ertum in Palästina vorgelebt hat, da sind Biram, Soskin, Hecker, Lichtheim, Martin Ascher, Stahl, Zlocisti, Ernst Levy und alle anderen. Ich halte freilich den Austritt als solchen für einen großen Fehler. Für einen Fehler insbesondere, wenn die Ausgetretenen nicht imstande sind, eine andere KJV.-Gemeinschaft eigener Prägung zu schaffen, aber daß man sie zum Austritt gezwungen hat, halte ich für eine Schuld. Garnicht habe ich verstehen 20