Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich möchte zunächst hervorheben, daß jetzt auch Loewenberg nur von 75 Bbr. Bbr. spricht, die ausgetreten sind, nicht von hundert. Wir wollen daran festhalten, daß offenbar die Austrittsbewegung zum Stillstand gekommen ist. Zur Rechtfertigung meiner Stellungnahme nur folgendes: Ihr kennt alle meine Auffassung über die Revisionisten. Ich habe sie in einem der letzten Hefte des JW. niedergelegt. Aber ich habe mir vorgenommen, solange es geht, eine etwas über den Dingen stehende Haltung einzunehmen, wenn ich als Präside des Kartells spreche. Ich habe mich daher auch im letzten Heft des JW. der allergrößten Zurückhaltung befleißigt. Wir sollen es nach meiner Ueberzeugung möglichst vermeiden, hier eine Revisionistendebatte zu führen, und ich würde andernfalls genötigt sein, auch sachlich zu den Dingen Stellung zu nehmen. Ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die beiden Kartelle — das deutsche und das palästinensische — eine gewisse Autonomie haben müssen. Das Kartell in Palästina steht vor anderen Fragen als wir. Es sieht sich in das Leben des Jischuw eingespannt und muß zu den brennenden Fragen des Jischuw Stellung nehmen. Wir haben hier ganz andere Aufgaben und müssen sie erfüllen. Man mag noch so sehr mit Palästina verbunden sein, man kann die dortigen Vorgänge nicht beurteilen, wenn man nicht mittendrin ist. Und ich bezweifle, daß die Bundesbrücfer so vertraut mit den Vorgängen sind, um zu den Einzelfragen Stellung nehmen zu können. Ich bezweifle, daß Ihr die hebräische Presse genügend verfolgt, um Euch ein Bild zu machen von den Fragen, denen sich der Jischuw gegenüber sieht. Wenn dem so ist, dann kann nicht eine Tagung in Berlin Stellung nehmen zu Fragen, die das palästinensische Kartell aufwühlt. Dann können wir nicht Beschlüsse, die dort gefaßt sind, umstoßen. Ebenso würden wir es ablehnen, wenn das dortige Kartell maßgebenden Einfluß auf unsere Beschlüsse nehmen wollte. Das Kartell von Palästina hat ja seiner Zeit ähnliches versucht, und wir haben das, wie bereits erörtert, abgelehnt. (Zuruf Hamburger: Du hast Dich doch mit dem Beschluß vom 25. 9. entschieden.) Nun wird mir hier zwischengeworfen, ich hätte mich entschieden durch meinen Beschluß vom 25. 9. Zunächst möchte ich sagen, daß ich nicht entschieden habe durch meinen Beschluß vom 25. 9., sondern daß ein einmütiger Beschluß des Präsidiums vom 25. 9. vorliegt. Ein Beschluß, an dem, soviel ich mich erinnere, auch noch Blumenthal mitwirkte. Der nämlich sagt, es gibt keinen Austritt aus dem Landesverband Erez Israel ohne Austritt aus dem KJV. Wir würden es auch nicht ertragen können, wenn sich in Deutschland neben uns etwa eine KJV.-Gruppe bildet, die von uns unabhängig ist. Nun habe ich gesagt und stehe ich heute noch auf dem Standpunkt, daß wir nicht die Möglichkeit und das Recht haben, in diese Vorgänge in Erez Israel einzugreifen. Wir können lediglich den Austritt von 75 Bbr. Bbr. aufs schmerzlichste bedauern und ich glaube, es ist nicht einer hier in diesem Saale, der nicht einen Freund durch diesen Austritt als Bbr. verloren hat. Aber ich glaube, daß wir nichts weiter tun können, als das zu bedauern und es dem Präsidium in Palästina mitzuteilen. Aber es können, nur Bitten und Ratschläge und nicht irgendwelche Beschlüsse sein, die in die Verhältnisse eingreifen. Zum Schluß noch eins: Man ist kurz vor dieser Tagung an mich herangetreten, man sollte die Tagung noch verschieben. Es sei doch jetzt wieder eine ganz neue Situation geschaffen, es sei doch nicht angebracht, daß wir gerade im gegenwärtigen Augenblick zusammentreten, um über diese Frage zu sprechen. Es wird ja wohl auch im Verlaufe der Tagung noch darauf hingewiesen werden, daß auch '17