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Der jüdische Wille · 1935-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1935) · page 10

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Hachscharah, Aufbau des Hechaluz.) Ein Organ der Werbung war intakt und erhielt jetzt größte Bedeutung: Die Jüdische Rundschau. Wenn sie in dieser Zeit der Erschütterung mit ihrem Ruf zur Besinnung in weiteste uns früher fernstehende Kreise des deutschen Judentums dringen konnte und wen« sie Ungewöhnliches beitragen konnte zur seelischen Aufrichtung und zur Weckung der jüdischen Kräfte der Erschütterten, so war das nicht nur das Verdienst eines hervorragenden Redakteurs, dessen Bedeutung damit nicht im geringsten geschmälert werden soll, sondern vor allem die Bewährung einer Ideologie, die ohne künstliche Verrenkungen auch auf die völlig veränderte Situation eine Antwort zu geben vermochte und die sich gerade in .der Feuerprobe erhärtete. Wohl aus der Stimmung heraus, daß jetzt das ganze deutsdie Judentum im Begriff stände, eine positiv jüdische Haltung zu gewinnen, und wir darauf hinzuarbeiten hätten und es in dieser Situation kleinlich wäre, die Interessen einer bestimmten jüdischen Richtung voranzustellen, hat die Jüdische Rundschau keine eigentliche Werbearbeit für den Zionismus geleistet, sondern mehr nur dahin gewirkt, Erziehungsarbeit im bewußt jüdischen Sinne am deutschen Judentum zu leisten. Aus ähnlichen Empfindungen heraus scheint mir auch — ich habe die in Frage kommenden Vorgänge, allerdings noch nicht aus der Nähe, beobachten können — nicht mit hinreichender Energie der damals wohl sicher erfolgversprechende Versuch unternommea worden zu sein, in den ersten Zeiten nach der nationalen Revolution aucb politisch stärker eine zionistische Führung in den maßgeblichen Gremien des deutschen Judentums durchzusetzen. Wie es in solchen Zeiten der Erschütterung leicht geschieht, ist die Wandlung der deutschen Juden doch wohl überschätzt, das Eigengewicht der bestehenden Organisationen aber verkannt worden. Das hat die Folgezeit dann gelehrt. Die Erfolge, die wir trotz allen Behinderungen doch in der Gewinnung neuer Menschen im Jahre 1933 erzielt haben, sind dennoch erheblich gewesen. Dies gilt auch dann, wenn man selbst alle diejenigen vernachlässigt, die aus Uebersiedlungsgründen usw. zu uns gekommen sind. In manchen unserer Ortsgruppen besteht schon die Masse der Mitglieder aus Neuzionisten, in anderem bilden sie eine starke Peripherie, vielfach sind sie auch bereits aktive Träger unserer Arbeit und man begegnet unter ihnen sehr wertvollen Menschen, die durch die Ereignisse und Erlebnisse wirklich gewandelt erscheinen. Bemerkenswert ist unter diesen Neuzionisten der erhebliche Anteil von Akademikern (auch gerade früheren KC.ern) und von Frauen. Während man es früher sehr oft erleben mußte, daß ursprünglich aktive Zionisten später in ihrem Interesse und in ihrer Arbeit für uns erlahmten, weil ihre Frauen das zionistische Interesse nicht teilten und diese Arbeit ungern sahen — unser Alt-Herren-Problem im KJV. war zum erheblichen Teil ein Frauenproblem — begegnet man heute nicht nur solchen Fällen selten, sondern sieht sogar umgekehrt häufig, daß Frauen Zionistinnen geworden sind, deren Männer heute noch im CV, oder RJF. sind, und daß sie sich gegen den Widerstand ihrer Männer in unseren Organisationen eifrig betätigen. Ich führe das vor allem darauf zurück, daß die Frauen gefühlsmäßig stärker reagieren, durch die Erlebnisse der Gegenwart und jüngsten Vergangenheit noch tiefgehender und nachhaltiger beeindruckt worden sind und vor allem darauf, daß sie stärker mit der Jugend leben und fühlen, die ja unvergleichlich weitgehender als die älteren Generationen für uns gewonnen worden ist. Allmählich konnte unsere Arbeit systematischer gestaltet und ausgebaut werden. Das große Problem war, mit erheblich verminderten Kräften bedeutend vermehrte Aufgaben zu bewältigen. Vom alten Stamm unserer Zionistea 10

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