Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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In Fragen jüdischer Weltanschauung besteht zwischen dem C.-V.ler Julius Brodnitz und dem Gemeindeliberalen Bruno Woyda gewiß kaum eine Differenz, In den grundsätzlichen Fragen des Zionismus wird sich zwischen unserem Bundesbruder Siegfried Moses und mir kaum ein nennenswerter Unterschied aufzeigen lassen.. Aber die Entwicklung der letzten Monate hat leider zu einer Versteifung der Fronten derart geführt, daß heute Organisationen gegen Gemeinden stehen und daß deswegen sich auch Gegensätze herausgebildet haben zwischen denen, die die neue Politik gutheißen und denen, die glauben, das zionistische Prinzip der Gemeindeautonomie und damit einer zukunftssicheren Diasporaarbeit nicht verlassen zu sollen. Gemeinden, so sagten wir, sind im Prinzip Ewigkeitseinrichtungen, wie die jüdische Diaspora auch bei Erfüllung aller unserer Palästinaziele ein Ewigkeitsschiksal unseres Volkes bleiben wird.^ Organisationen sind Tagesgebilde, müssen es sein. Der RJF. muß läussterben, wenn die Frontkämipfergeneration nfcht mehr lebt, der Centraiverein ist nur denkbar unter bestimmten Verhältnissen der nichtjüdischen Umwelt, mit deren Wandlung zugleich eine Organisation seiner Art sich wandeln muß. Auch die Zionistische Organisation — und ich bin gewiß ihr Patriot — ist erst 40 Jahre alt. Und es wäre theoretisch denkbar, daß sie einmal ihre Aufgaben soweit gelöst haben wird, daß sie in ihrer gegenwärtigen Form nicht mehr nötig ist. Wir alle hoffen das, sonst wären wir nicht Zionisten. Im Gegensatz dazu aber stehen die Gemeinden als die lebendigen Träger des jüdischen Lebens seit weit über zwei Jahrtausenden. Mir will scheinen, daß die Erkenntnis unserer Lage uns zwingen muß, neue und bessere Wege der zionistischen Politik in Deutschland zu suchen. Es war hier nur von innerjüdischen Dingen die Rede. Die neuen Auseinandersetzungen um den Zionismus in der nichtjüdischen Umwelt, wie sie etwa in den Artikeln Alfred Rosenbergs und manch anderer Aeußerung der letzten Wochen zum Ausdruck gekommen ist, sollen heute nicht erörtert werden, obgleich sie uns vor wichtige und nicht leicht zu lösende Aufgaben stellt. Wir hoffen, daß die Erstarrung der Fronten, von denen oben die Rede war, noch nicht soweit fortgeschritten ist, daß ein Ausweg nicht mehr gefunden wird. Wir glauben ja an die Sieghaftigkeit der zionistischen Idee, die sich trotz der Schwierigkeiten der Tagespolitik, und mögen sie noch so groß sein, durchsetzen wird zu einem Endziele hin, das für uns alle das gleiche sein muß, das aber nur dann erreicht werden wird, wenn wir unseren Grundsätzen treu bleiben und die Kräfte sammeln, statt sie zu zersplittern. Zum gegenwärtigen Stand des deutschen Zionismus. Von David Schlossberg Die umwälzenden Ereignisse des Jahres 1933 haben das deutsche Judentum zutiefst-erschüttert. Es wurde irre an seiner bisherigen Ideologie, die so offenbar versagt hatte und an seinen Führern, die so wenig Voraussicht bewiesen hatten. In vorher ungewohntem Ausmaße standen weite Kreise des deutschen Judentums unserem Zugriff offen. Das hat in den ersten Monaten nach der nationalen Revolution nicht hinreichend ausgenutzt werden können. Unsere Versammlungstätigkeit war behindert, viele unserer Mitarbeiter waren selbst im Aufbruch, eine Fülle neuer Aufgaben war zu bewältigen. (PalästinaWanderung, 9