Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Baukonjunktur bessere Löhne erzielten. Dieser letztere Standpunkt ist bedauerlich, weil auf diese Weise die Krisenfestigkeit des Einzelnen sehr gering sein wird und er vielleicht in Zeiten einer schlechteren Konjunktur wieder vor dem Problem der Umschichtung stehen wird, ohne dann die Möglichkeit zu haben, eine gute Lehrstelle und das notwendige Darlehen für diese Ausbildungszeit zu finden. Ein weiteres Arbeitsgebiet des Präsidiums war die Bildung einer medizinischen Fachgruppe innerhalb des K J. V.*>, um die berufliche Einordnung der vielen neuen Aerzte zu erleichtern und auch sie in systematischer Weise an den allgemeinen Aufgaben der Aerzteschaft teilnehmen zu lassen. Diese Medizinerschaft wurde vorerst in Tel-Aviv gegründet. Man zog auch bald anläßlich aktueller Fragen die Nicht-KJV.er Aerzte, die neu aus Deutschland ins Land gekommen waren, zur Mitarbeit heran, mit dem Erfolgf daß die neu eingewanderten Aerzte nunmehr in sämtlichen Gremien der palästinensischen Aerzteschaft vertreten sind. Diese Gründung der Medizinerschaft hatte nicht etwa den Zweck, ein Konkurrenzunternehmen zu gründen, sondern im Gegenteil, die Eingliederung der neu Eingewanderten innerhalb der Histadruth Harofim zu erleichtern und zusammen mit den interessierten Kreisen der alten Aerzte eine systematische Einordnung in das Berufsleben vorzunehmen und die vielen schwebenden Probleme, die von der Aerzteschaft zu lösen sind, mit in Angriff zu. nehmen. Der Anfang dieser Arbeit ist, wie man wohl sagen darf, erfolgreich gewesen, obwohl nicht verkannt werden darf, daß es sich um ein recht mühevolles und lange Zeit in Anspruch nehmendes Unterfangen handeln wird, die etwas amorphe Masse, welche zur Zeit die Aerzteschaft darstellt, in ein einheitliches Gebilde umzuprägen. — Es ist jetzt auch in Jerusalem eine solche Gruppe gebildet. Diese Gruppen haben aber auch innerhalb des Kartells ihre Bedeutung. Naturgemäß bringt es der scharfe Konkurrenzkampf mit sich, daß es auch zwischen Bundesbrüdern zu unliebsamen Zusammenstößen kommt, und daß auch Bundesbrüder Praktiken anwenden, die sie in Deutschland, wo durch die staatliche Regelung Normen festgesetzt waren, nie angewendet hätten. Es muß ein£ Aufgabe von uns sein, derartige Entgleisungen zu verhindern und den Bundesbrüdern, die sich etwa derartige Dinge zuschulden kommen lassen, zu sagen, daß im Interesse der Gesamtheit alles zu unterbleiben hat, was als eine Schädigung der Gesamtheit der Aerzteschaft aufzufassen ist* Es ist zu diesem Zweck ein Ehrengericht innerhalb der Medizinerschaft eingesetzt worden. Die Bundesbrüder, die sich dieser Arbeit innerhalb der Aerzteschaft in besonderem Maße unterzogen haben und unterziehen, haben eine zeitraubende schwere Arbeit hinter und vor sich, und es ist zu hoffen und zu wünschen, daß der Erfolg den Bemühungen entsprechen wird. Es ist jetzt nur noch über die Arbeiten der Ortsgruppen kurz zu berichten. Ueber Tel-Aviv wurde oben schon einiges gesagt. Es muß noch hinzugefügt werden, daß die Arbeit in Tel-Aviv so lange leiden wird, bis diese große Gruppe nicht über ein eigenes Heim verfügen wird. Bei den .großen Kosten, die ein derartiges Heim machen wird und bei der geringen Bereitwilligkeit, Beiträge zu zahlen, dürfte dies aber noch lange Zeit dauern. In Haifa haben die Bundesbrüder im Oktober zuerst unter Leitung von Bbr. Fritz P e y s e r, dann im April unter Leitung von Bbr. Ludwig Meyer sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen und kommen allwöchentlich am Montag zusammen. Es haben dort die folgenden Vorträge stattgefunden. Karl Hilb: Die Städteordnung Palästinas; Salomon: Die neuhebräische Literatur bis Mendelsohn; •> Einen ausführlichen Bericht Ober die Arbeit der medizinischen Fachgruppe, den uns das Prä* sidium in Palästina zur Verfügung gestellt hat, zu veröffentlichen, behalten wir uns für die nächste Nummer des Jüdischen Willen vor. 167