Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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durch den Brief des dortigen Präsidiums an uns vom 13. August, In diesem Briefe wird der Revisionistenbeschluß nicht mehr ausschließlich mit dem unmoralischen Kampfmethoden der Revisionisten begründet, sondern fernerhin mit der prinzipiellen Ablehnung der politischen Neutralität. Aus dieser von Krojanker gegebenen, also scheinbar authentischen Begründung, ergibt sich für mich allerdings eine offene Verletzung unseres Kartellstatutes. Andererseits glaube ich, daß derartige Dinge juristisch nicht entschieden werden können. Das hiesige Präsidium hatte bereits in unserer Vorkorrespondenz mit dem früheren Präsidium sich damit einverstanden erklärt, daß gewisse Grundforderungen von allen Bundesbrüdern erfüllt werden müssen. Hierzu gehört unter anderem die Ablehnung des Boykotts der vFonds. Wenn es der Mehrheit des dortigen Kartells nur darauf ankommt, etwaige Mißbräuche, die angeblich von der Revisionistischen Union begangen werden, abzulehnen, so möchte ich meinen, daß man hierüber sich unterhalten kann. Wenn es sich aber, wie Krojanker augenscheinlich selbst angibt, darum handelt, Parteipolitik zu treiben, so sollte ich doch meinen, daß es möglich sein muß, nach einiger Zeit diese Irrmeinung zu beseitigen. Ich glaube, daß auch das dortige Kartell von unseren Erfahrungen, die wir in Deutschland gemacht haben, lernen sollte und lernen kann, daß es nämlich von ungeheurer Wichtigkeit ist, wenn gerade im K. J. V. die Exponenten aller politischen Richtungen vereinigt sind.. . Aus dem Antwortschreiben von Georg Loewenberg an Waltet Blumenthal vom 6. September 1934 .... Die unseligen Revisionistenbeschlüsse vom September vorigen Jahres mögen noch aus der Krisenatmosphäre zu entschuldigen sein, in welcher sich damals das ganze Land und damit auch die KJV.er im Lande befanden. Daß diese Beschlüsse einen schweren Fehler bedeuten, haben inzwischen ihre Inauguratoren eingesehen, wie sie auf dem letzten Kartelltag mehr oder weniger offen zugegeben haben. Der Fluch der bösen Tat war, daß die Initiatoren von diesen Beschlüssen nicht mehr loskamen. Wir haben uns die erdenklichste Mühe gegeben, vor dem Kartelltag eine Verständigung auf einer irgendwie tragbaren Basis zustande zu bringen. Wir waren bereit, eine Resolution anzunehmen, in der Uebergriffe von rechts und von links auf das schärfste gegeißelt und die Erfüllung der Pflichten gegenüber den Fonds als Voraussetzung für die Zugehörigkeit zum K. J. V. erklärt wurde. Ich persönlich habe wochenlang vor dem Kartelltag, den ich persönlich herbeigeführt habe, mit den bedachtsameren und verständigeren Elementen der gegnerischen Richtung, wie Meinhold Nußbaum, Ludwig Mayer, Paul Hirsch, verhandelt, um eine solche Plattform zu finden. Alle Bemühungen scheiterten daran, daß das Gros der Gegner unter Führung von Blumenfeld, Felix Rosenblüth und Kanowitz einfach keine Verständigung wollte. Blumenfeld hat auf dem Kartelltag ganz offen erklärt, er sähe keine Veranlassung mehr, mit uns in einem Kartell zu bleiben, und wir sollten uns ruhig in Freundschaft trennen. .... Alle diese Dinge wurden von uns nicht unter irgendeinem parteipolitischen Gesichtspunkt betrachtet. Die erdrückende Mehrheit unserer Anhänger sind ja keine Revisionisten, wir haben unter uns Anhänger der Linken, wie Treu; die große Mehrheit unserer Leute sind allgemeine Zionisten, wie Kalmus, Biram, Grünfelder usw. Für uns war das Primat unseres Handelns die Rettung des K. J. V. vor Mißbrauch zu einem parteipolitischen Anhängsel irgendeiner Partei. Für uns war Triebfeder unseres Handels der Gedanke, daß jeder 160