Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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geschlossen worden sind. Das Verhalten der Mehrheit stellt die gröbste Verletzung der alten KJV.er Tradition dar, für deren Aufrechterhaltung die Liste Zlocisti usw. in ihrem Wahlaufruf sich eingesetzt hat. Ein derartiges Verhalten hätte den obersten Grundsatz des K. J. V., den Grundsatz der politischen Neutralität, für welchen wir in diesen Wahlkampf gezogen sind, vernichtet und damit dem K. J. V. seine unerschütterliche Grundlage entzogen. Die Mehrheit ist von diesem Grundsatz abgewichen und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß sie hierzu der satzungsmäßigen Zweidrittel-Mehrheit bedurfte. Das wollte die Mehrheit aber nicht wahrhaben, welcher das Wahlergebnis mit fast 40 Prozent der Stimmen für die Mehrheit gezeigt hatte, daß die Gesundung der bundesbrüderlichen Empfindungen und die aufkommende politische Erkenntnis auf dem Marsche sind. Die erdrückende Mehrheit der Wähler unserer Liste 2 sind nicht Revisionisten — von 160 Wählern schätzen wir auf nicht mehr als 5—10 Revisionisten — sondern es sind alte KJV.er, welche das Erbe und die Tradition der Bundesbrüderlichkeit gegenüber der fanatisierten, parteimäßig abgestempelten „Parteigesinnung" aufrecht erhalten sehen wollen. Es ist daher auch kein Wunder, daß der ganze alte K.J.V.-Jischuw im Lande fast ausnahmslos auf unserer Seite steht. .... Aus einem Briefe von Walter Blumenthal an Georg Löwenberg vom 27. August 1934 . . . Für uns in Deutschland lagen die Dinge an sich ganz anders. Die konkreten Vorwürfe, die von der Mehrheit des dortigen Kartells gegen die Revisionistische Union erhoben werden, treffen für die hiesige Staatszionistische Organisation, der ich selbst angehöre, nicht zu; insbesondere lehnt die hiesige Staatszionistische Organisation BoyJ^oJä ji^^ ab. Wir haben insbesondere auch im Präsidium die Erfahrung gemacht, daß das Vorhandensein des K. J. V. in Deutschland in dem vergangenen Jahre zweifellos in erheblichstem Maße dazu beigetragen hat, die Form der politischen Auseinandersetzung der zionistischen Parteien erheblich zu mildern. Zwei unserer Bundesbrüder gehören dem Präsidium der Staatszionistischen Organisation an. Ich bin Mitglied des Präsidiums des K. J. V. und gleichzeitig Mitglied der Staatszionistischen Organisation. Mehrere Präsidialmitglieder sind gleichzeitig Mitglieder des Hechaluz und üben im Hechaluz einen gewissen Einfluß aus. Das bundesbrüderliche Verhältnis im Präsidium war und ist ausgezeichnet. Dies alles hat dazu beigetragen, von vereinzelten unrühmlichen Ausnahmen abgesehen, Exzesse bei den politischen Auseinandersetzungen zu verhindern. — Ueber die Verhältnisse in Palästina glaubten wir uns ein völlig zutreffendes Urteil nicht bilden zu können. Die Informationen, die wir erhielten, beruhen auf privaten Schreiben einzelner Bundesbrüder oder Freunde, die wir drüben haben, und auf den Nachrichten der Jüdischen Rundschau, die als ein zuverlässiger Berichterstatter, jedenfalls in diesen Dingen, nicht betrachtet werden kann. Wir glaubten deshalb, daß wir grundsätzlich dem dortigen Präsidium bzw. dem dortigen Kartelltag die Entscheidung in den palästinensischen Dingen überlassen müßten. Wir nahmen an, daß es dem dortigen Kartell gelingen müßte, eine gemeinsame Basis für alle Bundesbrüder zu finden. Leider hat sich diese unsere Hoffnung nicht erfüllt. .... .... Ich kann Dir heute nur meine persönliche Meinung mitteilen. Rechtlich scheint mir Euer Standpunkt, daß der Kartelltagsbeschluß nichtig Ist, durchaus diskutabel zu sein. Zu dieser Ansicht gelange ich insbesondere 159