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Der jüdische Wille · 1934-11-01 · Heft 5 (November 1934) · page 32

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 5 (November 1934)
Date
1934-11-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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einfach von „Desperado-Politik" spricht, erhellt die geistigen Hintergründe der revisionistischen Lehren und Methoden, ohne sie zu entschuldigen. Ich darf hier auf das Krojankersche Referat verweisen. Nur muß man sich davor hüten, schwarz anders als schwarz bezeichnen zu wollen, nur, weil es dem neuen Farbensinn der Revisionisten als weiß erscheint, denn wir sehen ja schließlich mit unseren Augen, Terror bleibt für uns Terror, die „heilige" Lüge bleibt für uns Lüge, der revolutionär aufgemachte Disziplinbruch bleibt für uns Disziplinbruch, wenn wir, wozu wir verpflichtet sind, die Untaten des Revisionismus mit Maßen messen, die unserer eigenen Weltanschauung und politischen Theorien entnommen sind. Es gab immer Gegensätze im Zionismus, aber den Bürgerkrieg hat erst der Revisionismus entfesselt, der den anderen ihren Zionismus abstreitet und sie Lumpen und Verbrecher nennt; der dem naturgegebenen Agressionsbedürfnis der Jugend als Ziel den „Inneren Feind" zeigt; dem es zu verdanken ist, daß etwa wir in der Phantasie der revisionistischen Jugend heute den gleichen Platz einnehmen wie einst in unseren Jugendtagen die Assimilanten in unseren Vorstellungen. Mit solchem Gegner kann man sich ernstlich nur verständigen, wenn man ihn radikal bekämpft. Und nun zum Schluß: „Was hat das alles mit dem K. J. V. zu tun?" Ich stehe in diesem speziellen Konflikt nicht auf dem Boden des Krojankerschen Referates, sondern sah einen Wert des K. J. V. bei seiner bisherigen Struktur in seiner Neutralität. Aber wir waren neutral gegenüber zionistischen Gruppen, nicht dagegen gegenüber der zionistischen Gesamtheit und ihrer Organisation. Wer sie antastete, rührte an das K. J. V. Dabei ist der Maßstab, den ein ordensähnlicher Bund an seine Mitglieder legt, natürlich ein strengerer als der, mit dem eine Volksmassenorganisation ihre Mitglieder mißt. Wir sind neutral, aber wir sind nicht unpolitisch. Das K. J. V. ist in einer entscheidenden Stunde der jüdischen Entwicklung aufgetreten, um die* Unpolitischen zu aktivieren, um sie im Entscheidungskampf des jüdischen Volkes zu mobilisieren. Niemand hat in solcher Zeit das Recht, sich zu distanzieren, eine aktuelle Urteilsbildung zu vermeiden, sich mit historischen Scheinperspektiven zu begnügen. Auf dem Boden dieser Distanziertheit erwächst jene maßlose Ungerechtigkeit, für die sich alle Unterschiede verwischen, die sich mit Gleichgültigkeit oder Zynismus aus der Affaire zieht, und die erleichtert aufatmet, wenn man glaubt, feststellen zu können; „Bei den Linken ist es nicht besser", — woraus ja allenfalls nur gefolgert werden dürfte, daß auch dort eingegriffen werden müßte. Wir sind der Zionistischen Organisation verhaftet, und wir sind nicht unpolitisch. Zlocisti hat an den letzten Kartelltag geschrieben: „Jede Gesinnung, die aus den Urquellen des Judentums quillt und ihr Pathos in der Erhaltung unseres Volkstms heiligt, hat in unserer Gemeinschaft ihr Recht." Ich sagte schon auf dem Kartelltag: Das ist eine Auffassung, der innere Konsequenz nicht abzusprechen ist. Sie war die Anschauung der Gründergeneration des B. J. C, Aber diese Aufffassung, nach der auch Isaak Breuer KJV.er sein könnte, ist nun einmal mindestens seit dem Jahre 1908 überholt. Mindestens seit dieser Zeit besteht die Vorstellung, daß das K. J. V. möglicherweise nicht die hebräische Sprache erneuern wird, wohl aber einen disziplinierten Pionier- Vortrupp zionistischer Organisationsführer und Unterführer, mindestens aber zionistischer Organisationssoldaten stellen könnte. Eine bescheidene, aber würdige Aufgabe, in deren Erfüllung sich das K. J. V. zuweilen weniger be- 156

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