Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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jener Massenstimmung, deren Druck — so stellt sich dieser politische Denker die Zusammenhänge nämlich vor — das Jerusalemer Berufungsgericht schließlich gewichen ist. Und nun will ich diesen Teil meines Briefes abschließen mit den Worten eines ausgesprochenen Freundes der Revisionisten, Ussischkin, der Anfang 1931 im „Haarez" folgendermaßen geurteilt hat: „Ihre Propaganda folgt dem Beispiel der extremen Parteien in ihren verschiedenen Spielarten. Ohne Unterlaß verwendet man als Waffe das Mittel der Hetze gegen alles und jeden, der nicht Revisionist ist, gegen die Zionistische Exekutive, gegen den Waad Leumi, gegen die zionistischen Fonds, die Institutionen der Histadruth Haowdim usw. Man vergißt auf Seiten dieser Kritiker den großen Unterschied zwischen scharfer Kritik, gesunder Aggressivität auf der einen Seite und vulgärer Demagogie auf der anderen Seite. Alles geschieht, um die Instinkte der Massen aufzureizen und um alle zionistischen Institutionen bei dem Mann der Straße verhaßt zu machen, dem einfachen Manne. Jeder einzelne, der bei den Kritikern keine Gnade findet, wird sogleich zum Verräter und zur Knechtseele gestempelt. Man beschuldigt sie des Verrates und sogar krimineller Handlungen." Was hat man auf diese Vorwürfe zu erwidern? Herausgegriffene Einzelbeispiele? Falsch! Sie könnten beliebig gehäuft werden. Es ist richtig: ich habe aus der revisionistischen Publizistik besonders drastische Stellen ausgewählt, damit sie auch von dem Kurzsichtigen nicht übersehen werden können. Aber ich mache mich anheischig, in jeder Nummer z. B. des „Hayarden" alle Elemente meines thema probandum nachzuweisen. Und es ist gar nicht wahr, daß die revisionistische Presse Palästinas so viel übler ist als etwa die „zehn oder zwölf Dreckblätter", wie, glaube ich, Lichtheim sie nannte, die im Galuth die revolutionären Weisheiten Jabotinskys verbreiten. Man sagt und man verkündet es als ein soziologisches Postulat, man müsse jeder Opposition ihre Verärgerung zu gute halten. Vielleicht: Aber rechtfertigt Verärgerung eine Politik kaltblütiger und systematischer Zerstörung? Und nun der beliebte Einwand: „Bei den Linken sieht es nicht besser f.aus." Jener Einwand, der unserer lieben Rechtsreaktion so besonders wohlgefällig ist. Zu diesem Argument ist nur das eine zu sagen, daß es nämlich keinen Boden unter den Füßen hat. Es ist einfach nicht wahr, daß die Linkspresse oder die. Arbeiterschaft mit bewußten und planmäßigen Lügen und Verleumdungen arbeitet, daß sie politische Gegner mit Schmutz bewirft, daß sie die Fonds boykottiert, daß sie sich terroristischer Kampfmethoden bedient. Weniger bekannt ist, daß der Ton und Stil der Arbeiterpresse im allgemeinen ausgesprochen vornehm ist, sogar da, wo sie in der Aufmachung mit den grellen Lichteffekten großstädtischer Abendblätter blendet. Und was es mit den sogenannten Terrorakten auf sich hat, darüber muß schon einiges gesagt werden. Es ist richtig, daß es in vereinzelten Fällen zu Uebergriffen Linker gekommen ist. Aber entscheidend ist hier die Haltung der Führung. Die Leitung der Arbeiterschaft hat solche Uebergriffe stets aufs schärfste bekämpft und in der Oeffentlichkeit verurteilt. Während der Terror notwendiges Produkt des Systems und der Schule ist, befindet sich die palästinensische Arbeiterschaft in einer guten Schule politischer Zucht, und es besagt nichts, daß diese Zucht am einzelnen versagt, so lange sie sich im ganzen bewährt. Aber ist nicht die Politik der Histadruth im wirtschaftlichen eine terroristische? Zwingt sie nicht Arbeitgeber und Arbeiter in das System der 154