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Der jüdische Wille · 1934-11-01 · Heft 5 (November 1934) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 5 (November 1934)
Date
1934-11-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Meinung in der Diaspora irrezuführen, wie man vor allem die Führer der Arbeiterschaft menschlich zu diskreditieren suchte, all das spottet einfach der Beschreibung. Du wirst vielleicht nicht wissen, daß wenn Du heute irgendeine beliebige Nummer einer revisionistischen Zeitung, wie etwa des „Hajarden "aufschlägst, Du niemals von einem Mitglied oder den Mitgliedern der Arbeiterschaft ohne qualifizierendes Beiwort reden hörst. Die Arbeiter sind vielmehr immer und ausschließlich „Knechtseelen", „Verräter", „Banditen", „Menschen, die ihr Volk verkaufen", ,j,Leute, die) in Prachtpalästen wohnen", „Leute, Ederen Schenkel sich von Fett runden", „eine Gesellschaft von Fressern". Im „Chasit Haam" ist vor einiger Zeit eine Serie von Artikeln erschienen, in der man in das Privatleben der einzelnen Führer der Arbeit, von Ben Gurion angefangen, schmutzig und verlogen hineinleuchtete. Von Ben Gurion wurde behauptet, daß er aus einem Pardeß erhebliche Einnahmen beziehe. Und warum die revisionistische Presse besser sein soll als ihr Führer ist wirklich nicht einzusehen. Jabotinsky hat schon im Jahre 1929 den Auftakt zu der Hetze gegen die Arbeiterführer gegeben, als er sie im „Doar Hajom" folgendermaßen qualifizierte. „Politiker, die sich in öffentlichen Angelegenheiten wie Zigeuner und Pferdediebe benehmen — Journalisten, die ihr Gewissen für Hurenlohn verkaufen, Zuhälter, die sich zu Zehnt auf einen stürzen, . . . auch diesen Schmutz werden wir wegfegen. Wie verlogen dieser Fanfarenstoß war und wie er bewußt und kaltblütig als Einleitung einer systematischen Lügenhetze gedacht war, wird klar, wenn man weiß, daß Jabotinsky noch ein halbes Jahr vor diesem Ausbruch ebenfalls im ,,Doar Hajom" von den Arbeiterführern geschrieben hatte: „. . . . Sie sind reine Menschen, deren persönliche Integrität auch der extremste Gegner nicht in Zweifel ziehen wird." Ich weiß nicht, wie der Umschwung zu erklären ist. Offenbar dachte Jabotinsky damals an Verständigungsmöglichkeiten. Jedenfalls aber verwandeln sich „reine Menschen" nicht in sechs Monaten in „Pferdediebe" und „Zuhälter". Der Respekt vor der Arbeiterschaft ist also auch dahin, und ein berufener Jugendführer wie Fröhlich darf es wagen, den Kreis der Redaktion des „Dawar", also Menschen wie Berl, Katznelson, Rubaschow, Beilinson zu verdächtigen, eine Fälschung publiziert zu haben, als sie seinerzeit den bekannten Schülerbrief veröffentlichten, der „mit dem Gruße des Arlosoroff-Mordes" gezeichnet war. Konnte man noch die Kongreßautorität und Kongreßdisziplin untergraben, so war viel geschehen, um die Zionistische Organisation zur Strecke zu bringen. Aus meiner Tätigkeit in der Exekutive weiß ich, welche magische Zauberkraft noch bis vor kurzer Zeit der von Herzl geschaffenen Autorität des Kongresses innewohnte, und niemand wird mir, der ich die Entwicklung aus der Nähe beobachten konnte, weißmachen, daß es nicht die revisionistische Hetze, sondern die Agency-Politik war, die den Kongreß untergrub. Jabotinsky hat sich oft und z. B. neuerdings im Warschauer „Moment" vom 16. Februar 1934 offen zum Disziplinbruch bekannt. Er hat geschrieben: Er könne über die ganze Frage der Disziplin, aufgeworfen im Zusammenhang mit der Petitionsbewegung nur lachen. Wenn es sich um eine Frage von Tod oder Leben einer jüdischen Geschichtsepoche handele, so kämen solche Bedenken nicht in Betracht, besonders wenn das Verbot der Petition 150

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