Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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rung des Prestiges des Führers bis zur Stufe des Diktators. Das ist im jüdischen Volk nur möglich, wenn man alle übrigen Führer vorher gründlich diskreditiert hat. Das hat man gründlich versucht und nicht ohne Erfolg. Es ist fast niemand mehr übriggeblieben, der noch von dem menschlichen Vertrauen aller getragen wäre, und damit ist ein Grundpfeiler der Zionistischen Organisation gefallen. Arlosoroffs Tod ist deswegen ein so ungeheurer Verlust, weil er einer derjenigen der ganz wenigen war, die, aus der jungen Generation emporsteigend, vielleicht wieder einmal Respekt und die Liebe aller erwerben konnten — wie er übrigens auch Jabotinsky in jedem parlamentarischen Waffengang auf dem Kongreß besiegte. Die Führerlegende also hat man zerstört. Man mußte den Fonds zu Leibe gehen, weil sich in ihnen, d. h. in dem Dienst an den Fonds, der Gemeinschaftsgeist der Bewegung verkörperte. Uebrigens auch deswegen, weil sie materielle Machtmittel darstellten, durch deren Beseitigung man die Organisation erledigen zu können glaubte. Das bereits zitierte Wort von der „finanziellen Blockade" sagt in dieser Beziehung alles. In einem Artikel des „Chasit Haam" vom 13. Siwan 5692 unter der Ueberschrift „Die finanzielle Blockade" heißt es denn auch ganz deutlich: „Reißen wir die materielle Grundlage ihrer Existenz ein und ihr ganzes Lügengebäude wird zusammenfallen." Am 22. Juni 1932 schrieb der „Chasit Haam": „Der Kampf muß mit allen Mitteln geführt werden. Argumente? Reden? Vorträge? Auch das ist nötig, aber es genügt nicht. Jetzt brauchen wir realere Mittel und vor allem eine finanzielle Blockade gegen ihre Schnorrinstitutionen. Diese Aktion muß bis zum Ende durchgeführt' werden." Daß man offen zum Boykott der Fonds aufgerufen hat, weißt Du. Die gewaltsame Störung der Sammeltätigkeit der Fonds durch Hetzaufruf und durch Ueberfälle auf Propagandaversammlungen und Propagandisten der Fonds ist in Polen Betätigungsfeld des nationalen „Wehrsports" der revisionistischen Jugend geworden. In einem in der Prager „Selbstwehr" erschienenen Artikel „Büchsenstürmer" teilt Dr. Oskar Neumann mit, daß es in der Slovakei heute kaum einen Ort giebt, in dem nicht die Jugend des Betar Nationalfondsbüchsen gewaltsam aus jüdischen Häusern herausholt, sie ihres Inhalts beraubt, um ihn dem Tel-Chaj-Fonds zuzuführen, und die Büchsen durch Sammelbüchsen des Tel-Chaj-Fonds ersetzt. Du erinnerst Dich vielleicht daran, wie man den Kampf gegen die Fonds zunächst mehr theoretisch und grundsätzlich im Bereich der Diskussion über „Privatintiative" und „nationale Fonds" geführt hat. Der wahre Zweck der „finanziellen Blockade" wurde damals noch verschleiert. Allmählich erst hat man das Visier fallen lassen und hat im Keren Tel Chaj einfach ein Konkurrenzunternehmen geschaffen, das an die nationale Initiative appelliert. Und da ich die Verlogenheit dieser Gesellschaft kenne, ebenso wie ihre Zerstörungsabsicht, so ist es mir ganz klar, daß man in nicht allzu ferner Zeit noch viel offener und direkter Konkurrenzunternehmungen gegen Keren Hayessod und Keren Kayemeth etablieren wird, genau so wie jetzt die Dinarpropaganda mit der Schekelpropaganda konkurriert. Die Legende von der Arbeiterschaft. Die Arbeiter sind die Hauptstützen des „Systems", und zudem war die Leistung der Arbeiterschaft ein großes Aktivum der bestehenden Organisation und ein Element der Bindung und des Zusammenhaltens. Die Legende mußte also weiter zerstört werden. Was in jahrelanger Hetze und Wühlarbeit geschehen ist, um die öffentliche 149