Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2827066-3186699-3186704--0842-3186904- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
schaffen helfe. Statt dessen benutzte man in unbeirrbarer Engherzigkeit und Einseitigkeit auch diesen ersten Kartelltag zu „Hahnenkämpfen", wie ein jüdischer Politiker sie nannte, bei denen unsere alten Kampfhähne nur das eine zeigten, daß sie bei ihrer Alijah nichts von dem jahrzehntealten Ballast mitzunehmen vergessen hatten. Salli Hirsch sagt ganz mit Recht, daß wir hier eine verschiedene Auffassung von den Folgen der Ereignisse haben. Aber in dem voran gehenden Bemühen, eine alle tragende Grundlage finden zu helfen, waren wir einig untereinander und — mit dem Präsidium in Palästina, das uns am 22. Juni 1934 schrieb, man wolle auf dem Kartelltag dort den alten Revisionistenbeschluß vom 1933 durch positive Beschlüsse ersetzen — Beschlüsse, in denen im wesentlichen Anerkennung der Disziplin der Gesamtorganiation gemäß den Kongreßbeschlüssen und positive Einstellung zu den Fonds gefordert wurde! Auf der Grundlage dieser Absichten drüben haben wir hier Stellung genommen und eine Stellungnahme des Kartelltages erwartet. Die in Palästina gefaßten Beschlüsse, die von den uns seitens des Präsidiums am 22. Juni 1934 mitgeteilten Absichten völlig abweichen, haben uns wie ein Schlag getroffen, unsere Arbeit ist gelähmt, und wir fürchten, daß diese Lähmung der Anfang vom Ende des Kartells ist, auch wenn noch kürzere oder längere Zeit das Siechtum des Parteispielens andauern sollte. Erst jetzt durch ein Schreiben vom 18. Oktober 1934 kommt die Aufklärung: „Eure Anfrage, warum das frühere Präsidium des Landesverbandes die Absicht, den Revisionistenbeschluß durch einen anderen zu ersetzen, aufgegeben hat, kann nur dahin beantwortet werden, daß eine solche Absicht seitens des Präsidiums überhaupt nicht vorlag. Es handelte sich hier um einen Privatbrief von Paul Hirsch,"---- Mehr als zwei Monate mußten wir hier auf die „offiziellen" Kartelltagsberichte warten. Inzwischen nahm man aber den noch lebendigen Zusammenschlüssen des K. J. V. in Deutschland, den Altherrenbünden, übel, daß sie, von zahllosen Privatberichten aufgestört, ihren Schmerz und ihrer Ablehnung deutlichen Ausdruck gaben. Als uns schließlich die Mitteilungen erreichten, fanden wir wohl einen langen Aufsatz von Krojanker und einen noch längeren Aufsatz von Felix Rosenblüth, aber nicht den erwarteten objektiven Kartelltagsbericht. Ueber Lichtheims große Rede z. B., die viele wegen ihrer Würde und ihrer menschlichen Haltung als den Höhepunkt des Kartelltages bezeichnet hatten, brachten die Mitteilungen nur einige kritische Bemerkungen, nicht aber den Inhalt der Rede selbst. Leider kann zu der „neuen Gemeinschaftsaufgabe", die Krojanker dem K. J. V. in Palästina verkündet hat, hier nicht ausführlich Stellung genommen werden. Ich möchte nur sagen, daß der „politische Gedanke", den er dem K. J. V. als „Grundlage" geben möchte, m. E. ebensowenig Grundlage des K. J. V. sein kann, wie irgendein anderer bestimmter politischer Gedanke, Es sei denn: das Basler Programm als solches, es sei denn die Formulierung von Bileski, die ich zitiert habe. Soll der Anhänger eines autoritativ aufgebauten Gemeinwesens oder soll der Verfechter etwa einer theokratischen jüdischen Staatsidee deswegen weniger zu uns gehören? Zwar ist Krojanker völlig zuzustimmen, wenn er schreibt: „Eine Gegnerschaft gegen die Arbeiterschaft, die dem Interesse des Ganzen dient, kann nur in einer möglichst breiten bürgerlichen Front bestehen, die de* Arbeiterschaft in vielen Einzelfragen durchaus als Gegner, in der Gesamtfrage ihrer Existenz als einer starken, national, kulturell und materiell höchst bedeutsamen Organisation als Freund gegenübertritt/' Aber was hat das alles mit dem K. J. V. zu tun? Rosen« blüth sagt selbst, er stehe in dem speziellen Konflikt nicht auf dem Boden des Krojankerschen Referats, sondern sähe einen Wert des K. J. V bei seiner 132