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Der jüdische Wille · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · page 27

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Date
1934-07-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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oder Ingenieur? War denn nicht gerade das deutsche Judentum, nicht speziell das K.J.V. dazu berufen, dem Aufbau die gewiß notwendigen wissenschaftlich geschulten Mitarbeiter zu stellen? Es war ganz klar, und konnte durch nichts .hinwegdiskutiert werden: das Kartell mußte in seinen Formen umgestaltet, der Jugendbewegung angenähert werden; es konnte in der Form von 1914 unter keinen Umständen wieder erstehen. Seine Erziehung aber mußte nicht mehr allein wie bisher auf den sogenannten guten Zionisten in Deutschland hinwirken, sie mußte ebenso, wenn nicht gar besonders, zur Alijah hinführen. Und schon bildete sich in Berlin eine Verbindung aus Blau-Weißen, die diese Gedanken im Kartell verwirklichen wollten. Erich Buchholz, Alfred Kupferberg, Werner Senator gründeten den V.J.St. Hechaver; landwirtschaftliche Tätigkeit und Uebersiedlung nach Palästina im Geiste der Jugendbewegung, intensive hebräische Arbeit waren die hauptsächlichen Programmpunkte, Man wollte keine besondere Werbearbeit durchführen; den notwendigen Nachwuchs erwartete man mit Sicherheit aus den gleichgestimmten Kreisen jüngerer Blau-Weißer. Die V.J.St, Maccabaea-Berlin schloß aus ähnlichem Geiste ein Arbeits- und Freundschaftsabkommen mit dem neuen zionistischen Bund „Hapoel Hazair", der auf den Ideen A. D. Gordons fußend, bald eine große Bedeutung im damaligen Zionismus erlangte. Konstruktiver Sozialismus, Aufbau Palästinas in sozialer Gerechtigkeit, ohne Ausbeutung, aber auch ohne Klassenkampf, in Anknüpfung an die jüdische Geschichte und die biblische Sozialethik, eindrucksvoll wieder ans Licht gehoben und dargestellt von Martin Buber, dafür wollte die Maccabaea sich einsetzen. Wie stand die Altherrenscbaft zu diesen Tendenzen? Konnte sie sie gutheißen? Mußte sie sie nicht fördern? Oder war es wiederum nicht für sie sehr schwer, hier Anschluß zu finden? War sie nicht unter ganz anderen Bedingungen groß geworden, hatte sie nicht ganz anders zum Zionismus gefunden? Mußte sie nicht die Galuth auch weiterhin für wichtig halten, ja, war nicht gerade jetzt für sie die Stunde gekommen, die Gemeinden für den Zionismus zu erobern, das deutsche Judentum zu nationalisieren? War sie nicht gerade in diesen Zeiten einer fast eschatologischen Palästina-Stimmung doppelt wichtig? Mußte nicht gerade das Kartell im Interesse einer gesunden, organischen Entwicklung des Aufbaues retardierend wirken? Durfte man zulassen, daß das K.J.V. von Schwarmgeistern umgemodelt wurde? Was hatte denn diese Jugend mehr ins^ Treffen zu führen, als ihre Meinungen und Empfindungen? Was hatte sie denn schon geleistet, worin hatte sie sich bewährt? Gewiß: ein großer, ein betrüblich großer Teil der Altherrenschaft hatte zionistisch tatsächlich versagt; das war nicht zu bestreiten. Aber bestand nicht doch die Aussicht, auch diese Alten Herren wieder zu aktivieren, wenn man ihnen in der Gemeinde, in der Sozialarbeit, der Turnerschaft neue und erfüllbare Aufgaben in ihren bisherigen Wohnsitz wies? Das schien doch sehr vielen möglich. Und nicht zu verwundern war es, wenn die Alten Herren mißbilligend auf eine Jugend sahen, die im Ueberschwang der Revolutionsstimmung ihnen gegenüber Verständnis und Respekt in einer oft peinlichen Weise vermissen ließen. Der Gegensatz der Generationen wurde im Laufe des Jahres 1918 immer tiefer, er offenbarte sich auf allen Gebieten, und so, wie viele Alte Herren sich gekränkt vom K.J.V. abwandten, so strebten manche Kreise der Aktivitas einer Kartellrevolution zu, die unbekümmert alle Tradition, und mochte sie sich einst noch so bewährt haben, beseitigen wollte. Unter dem Schlagwort der Intensivierung galt Keilarbeit als überflüssig, ja sogar unsittlich; der K.J.V.er, der nach Palästina gehen wollte, mußte sich selber mit aller Kraft darauf vorbereiten, durfte seine Kräfte nicht auf eine Tätigkeit verschwenden, die noch 120

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