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Der jüdische Wille · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · page 22

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Date
1934-07-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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die sich später zum „KartelUConvent * der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens" (K.C.) vereinigten. Anfangs waren sie derart aggressiv; daß der christliche Studentenhistoriker Prof, Ssyniank sie als „rassejüdisch" charakterisiert. Aber schon als Anfang der 90er Jahre in Berlin die „Sprevia' entstand, war von der nationaljüdischen Stimmung der ersten Jahre nicht mehr viel geblieben. Ein bloßes Trutzjudentum nach außen konnte in einer Zeit, da die Assimilation im Inneren riesengroße Fortschritte machte, nicht mehr genügen; jüdischer Zukunftswille lebte in diesen Kreisen nicht. Zur gleichen Zeit erreichten die ersten Strömungen des von Osten kommenden, vor-herzlschen Zionismus das deutsche Judentum. Es bildeten sich in Berlin der Verein „Jung-Israel" und die „Jüdische Humanitätsgesellschaft" (1892/93). Aus diesen Zirkeln ging 1895 die erste „Vereinigung jüdischer Studierender" hervor, die sich bald zum „Verein Jüdischer Studenten an der Universität Berlin" (V.J.St.) entwickelte. Unter ihren Gründern ragen besonders Heinrich Loewe, Theodor Zlocis.tir Max Jungmann sowie David Feitelberg und Adolf Friedemann hervor. Hier lebte schon ein ganz anderer jüdischer Geist, Man suchte Fühlung mit den zukunftskräftigen Strömungen des damaligen Judentums, man fand Berührung mit den zahlreich in Deutschland studierenden Juden aus Rußland, die u. a. in Berlin damals sich zu einer „Russisch-jüdischen wissenschaftlichen Vereinigung" zusammengetan hatten, der Chajim Weizmann, Schmarjah Lewin, Leo Motzkin, Viktor Jacobson angehörten. Man beschäftigte sich mit jüdischer Geschichte und Literatur, und manche wurden schon damals Freunde der Chowewe-Zion- Bewegung. Bald entstanden ähnliche Vereine wie der V.J.St. in Leipzig (gegründet von Martin Buber und Aron Eliasberg), Breslau, in Charlottenburg an der Technischen Hochschule und in München, und diese fünf Vereine schlössen sich zusammen zum „Bund jüdischer Corporationen" (B.JfC.)f der auf dem Breslauer Kartelltag 1902 den folgenden Tendenzparagraphen beschloß: „Der B.J.C, ist der Sammelpunkt aller jüdischer Studenten, die sich bewußt als Juden fühlen und an der Entwicklung eines lebendigen Judentums mitarbeiten wollen." Dieser Tendenzparagraph wurde, wie man sieht, zu einer Zeit beschlossen, als es längst eine zionistische Weltorganisation, Kongresse etc, gab; es war also durchaus kein zionistisches Programm, sondern lediglich ein nationaljüdisches, und ist es, solange der B.J.C, bestand, geblieben. Aber gerade diese allgemeine Formulierung erleichterte die Werbetätigkeit und Ausdehnung des Bundes; neue Vereine entstanden 1903 in Straßburg, 1904 in Königsberg und Freiburg, 1907 in Marburg, 1909 in Bonn, 1911 in Heidelberg, Aeußerlich wurden es immer mehr Korporationen deutschen Stiles; so fremd man diese Form zum Teil auch damals bereits empfand, sie war im jener Zeit selbstverständlich und gar nicht zu umgehen. Niemals wurde sie Selbstzweck; man schätzte sie aber als Mittel der Erziehung zu Disziplin und Männlichkeit. Inhaltlich wandte man sich bewußt dem Judentum zu; und daß „Mitarbeit an der Entwicklung eines lebendigen Judentums" über kurz oder lang zum Zionismus führen mußte, war klar. Schon der leitende Kreis des V.J.St, Berlin (Heinrich Loewe, Erich Rosenkranz, Isaak Zwirn) war zionistisch lebhaft tätig; und immer mehr V.J.St.er folgten diesem Vorbild. Nach Herzls Tode teilte die allgemeine Stagnation der zionistischen Bewegung sich auch dem B.J.C. mit. Da waren es Arthur Biram, Kurt Blumenfeld und Felix Rosenblüth, die erkannten, daß nur entschlossene und zielbewußte zionistisch« Erziehung den B.J.C. wieder zu einem lebendigen Organismus machen konnte-, die in der bisherigen programmatischen Neutralität nicht den letzten Sinn des Bundes zu 115

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