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Der jüdische Wille · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · page 21

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Date
1934-07-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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selbst die Semersterberichte der einzelnen Verbindungen bieten« wie jeder weiß, keineswegs immer ein genügend anschauliches Bild. Es geschieht hier und da, daß, meist in temperamentvoller Form, Ueberzeugungen über den Wert öder Unwert des K.J.V, im J.St. geäußert werden; aber in allen jenen großen Debatten über Sein oder Nichtsein treten sich Parteien oder Richtungen gegenüber, die sich gegenseitig der Unkenntnis des wahren, des wirklichen, des eigentlichen Kartells beschuldigen. Wo ist die Wahrheit? Wenn man wirklich die Entwicklung des K.J.V. in den großen entscheidenden Grundlinien darstellen will, so darf man nicht allein die schriftliche, man muß auch die mündliche Tradition heranziehen. Damit ist bereits deutlich gesagt, daß Objektivität hier noch weniger zu erzielen ist als sonst in der Geschichtsschreibung. Selbstverständlich soll das nun nicht bedeuten, daß hier eine Partei- und Streitschrift gegeben werden soll; sondern jeder Bundesbruder soll die Möglichkeit haben, sich hier über den Werdegang des Bundes, dem er angehört, zu informieren; er soll die Kämpfe der Vergangenheit so vorgeführt erhalten, daß er gewissermaßen noch nachträglich in den Stand gesetzt wird, Partei zu ergreifen. Aber es ist unmöglich, bei jedem Satze zu fragen, auf welche Quölle er zurückgeht; hier und da würde man gedruckte Quellen natürlich als Beleg zitieren können; aber wieviel ich aus persönlichen Erzählungen älterer Bundesbrüder an Gesamtanschauungen, die'überall hindurchwirken, gewonnen habe, vermag ich nicht zu sagen. Einzig äer einen Hoffnung will ich mich hingeben, daß jene mündlichen Informationen im Laufe der Zeit mir aus allen wesentlichen Kreisen1 des Kartells zugekommen sind, so daß eine ungefähre synthetische Ansicht sich wird haben herausbilden können. Allen ,die mich durch Gespräche, kritische Hinweise, bibliographische Auskünfte bei Abfassung der Arbeit gefördert haben, besonders A. H. Dr. Herlitz, gilt mein herzlichster Dank. L Dem Aufkommen und der immer stärkeren Verbreitung des Antisemitismus auf den deutschen Hochschulen1), der die Juden planmäßig immer mehr aus den Korporationen verdrängte, versuchte man anfänglich von einer allgemeinen Basis aus entgegenzutreten; alle, die ihrer politischen Ueberzeugung naph entschiedene Liberale waren, schlössen sich zu Verbindungen zusammen, denen Juden und Christen ohne Unterschied angehören sollten. So entstand 1882 die „Freie Wissenschaftliche Vereinigung" (F.W.V.), so noch später eine Reihe „paritätischer" Korporationen. Indessen, je mehr das deutsche Bürgertum politisch nach rechts rückte, desto stärker wurden die judenfeindlichen resp. judenreinen Verbindui^gen; die im Programm paritätischen Korporationen wurden de facto immer mehr zu jüdischen; ihr politisches Ziel konnte so nicht erreicht werden. So erwachte allmählich die Erkenntnis, daß der Kampf gegen den Hochschulantisemitismus am besten von geschlossen jüdischen Verbänden geführt werden könne. Aus einer Aufwallung von Trotz und Stolz gründete sich 11886 in Breslau die „Viadrina', die bewußt als rein jüdische Korporation den anderen Verbänden, besonders dem „Verein Deutscher Studenten" (V.D.St), dem Hauptträger des Antisemitismus, entgegentrat. Aehnliche Gründungen folgten in München, Heidelberg und Berlin: das sind die Verbindungen, l) Die Verhältnisse in Oesterreich-Ungarn können hier nicht behandelt werden. In Wien hatte Nathan Birnbaum bereits 1882 die „Kadimah" gegründet, die erste nationaljüdische Studentenverbindung überhaupt. 114

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