Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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eingegliedert gewesen in den Apparat der zionistischen Organisation und war doch immer vielfältig mit diesem verflochten. Das K.J.V. war niemals eine Jugendbewegung im eigentlichen Sinne und hat doch seit den erstem Tagen des Blau-Weiß in stärkster wechselseitiger Beeinflussung mit der jüdischen Jugendbewegung gestanden. Die Verbindungen des K.J.V. waren auch bei ihrer Entstehung nie Nachahmungen der deutschen Studentenverbindungen und sind doch ohne die Besonderheiten des Lebens an den deutschen Universitäten der Vorkriegszeit nicht voll zu verstehen. Und das innerste Leben des K.J.V. darstellen, hieße die Ideengeschichte der zionistischen Bewegung darstellen; denn das geistige Ringen und die großen Fragen der Bewegung bildeten letzten Endes auch dann den Kern aller unserer Probleme, wenn diese in dem engeren Rahmen gewohnter bloßer K.J.V.-Fragen auftraten. Die große Bemühung, den assimiliertesten Teil der assimilierten deutschen Judenheit, die akademische Jugend, zu gewinnen für das Aufbauwerk des jüdischen Volkes und damit wiederzugewinnen für das Judentum überhaupt, war die geschichtliche Aufgabe des K.J.V. Eine Aufgabe, die mit dadurch ihr Gepräge erhielt, daß der von ihr erfaßte Personenkreis ganz überwiegend in günstigen äußeren Verhältnissen lebte, daß die Antriebe für das neue jüdische Wollen dieser Menschen in all diesen Jahren und Jahrzehnten rein ideelle waren. Die Erkenntnis der geschichtlichen Zusammenhänge und die gefühlsmäßige Verbundenheit mit allen Teilen des jüdischen Volkes führte unsere Menschen in das K.J.V. und zum Zionismus, nicht eigene materielle Not. Wenn einmal der Schlußstrich gemacht werden wird unter den in Deutschland spielenden Teil der Geschichte des K.J.V., und wenn auf Grund des, wie wir hoffen, uns nun von allen Seiten reichlich zufließenden Materials eine abschließende Darstellung dieses Teiles der K.J.V.-Geschichte geschrieben werden kann, dann wird vielleicht ein solches Werk beitragen helfen, in dem aus anderen Ursprungsländern der Diaspora nach Palästina gekommenen Jischuw größeres Verständnis zu erwecken für den deutschen Zionisten Überhaupt. Kurt Tuchler. Entstehung und Entwicklung des Kartells Jüdif&er Verbindungen Im Auftrage des Präsidiums des K.J.V. in kurzen Zügen dargestellt von Walter Gross Vorwort. Die Aufgabe, eine Geschichte unseres Kartells zu schreiben, ist ebenso schön, wie sie schwierig ist. Es gibt kein Modell, an das man sich halten könnte; die Methode muß selbständig gefunden werden. Wie aber ist es möglich, die Kämpfe vergangener Zeiten, abgeschlossene Entwicklungen, das Leben früherer Generationen wieder lebendig zu machen? Soweit die Geschichte des K.J.V die Geschichte des deutschen Zionismus ist, ist dies noch am ehesten möglich: das Ringen um bestimmte Theorien, bestimmte politische Programme hat reichen literarischen Niederschlag gefunden; die Ideengeschichte des K.J.V. läßt sich aus den Jahrgängen des „Jüdischen Student" und des „Jüdischen Willen" verhältnismäßig leicht darstellen. Das Leben aber, aus dem heraus' diese Ideen entstanden, ist nicht ohne weiteres aus dem J.St. ersichtlich; und 113