Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2827066-3186699-3186703--0821-3186882- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zu prüfen, ob den Arabern Palästinas aktives und passives Wahlrecht verliehen werden kann. Dem Verfasser ist nicht verborgen, daß ein Programm dieser Art noch mit vielen Unklarheiten behaftet ist und schweren politischen Hindernissen begegnen würde. Die Regelung und Verteilung der Zuständigkeiten wird je nach dem Stande der politischen Entwicklung keine einfache Sache sein, und die Auseinandersetzung mit den Mächten Europas, die sich zu einer Aenderung der von ihnen am Ende des Krieges vorgenommen Einteilung des Orients entschließen müßten, ist gewiß keine einfache politische Aufgabe. Aber ein Plan dieser Art würde völlig klar unsere Tendenz und auch in genügend em Ausmaße Einzelheiten ihrer Realisierung zeigen können. Das aber ist das Wesentliche, daß wir überhaupt eine konkrete Konzeption einer jüdisch-arabischen Ausgleichspolitik vorweisen können. Eben erst hat wieder einmal eine arabische Zeitung gefragt, was eigentlich unser politisches Programm gegenüber den Arabern wäre. Wir hätten auf solche Fragen nicht warten sollen, aber wenn sie kommen, müssen wir etwas antworten können — oder man kann schließen, daß unsere Antwort sich nicht zur Bekanntgabe eignet. Das wäre eine unliebsame Folgerung. Mit Schweigen werden wir nicht mehr lange auskommen. In unserem Falle ist Reden Gold. Bekanntlich scheuen sich manche Menschen, ihr Testament zu machen, in der Befürchtung, daß sie dadurch ihren Tod herbeiführen oder beschleunigen würden. Aehnliche Gesichtspunkte leiten offenbar diejenigen, die von der Veröffentlichung einer Geschichte des K.J.V. dringend abraten. Sie sind anscheinend der Meinung, daß das K.J.V., dessen Weiterexistenz ja ohnedies problematisch sei, wenn man erst seine Geschichte veröffentliche, unfehlbar seinem Ende zugehe. Das Präsidium, das sich mit der Frage beschäftigte, ob es die lebendige Darstellung der K.J.V.-Geschichte, die Walter Groß zum Verfasser hat, „zu den Akten nehmen" oder aber der Gesamtheit der Bundesbrüder zugänglich machen solle, hat sich für das Letztere entschieden. Es sieht in der Arbeit von Groß keinesfalls einen Schwanengesang des K.J.V., sondern erhofft vielmehr, daß sie gerade in diesem Zeitpunkt in unseren Reihen zur Selbstbesinnung und Neubelebung beitragen möge. Gerade jetzt, wo das K.J.V., dessen Mitglieder bisher in ihrer ganz überwältigenden Mehrheit in Deutschland lebten, sich in drei zahlenmäßig ungefähr gleichen Gruppen auf Palästina, Deutschland und die Gesamtheit der übrigen Länder verteilt hat, scheint es uns nicht unangezeigt, einen Rückblick zu werfen auf die gemeinsame Geschichte des „K.J.V.- stammes". Dabei wird nicht der Anspruch erhoben, daß die in diesem Heft des Jüdischen Willen! beginnende, in den folgenden fortzusetzende Darstellung, welche bereits vor mehr als Jahresfrist fertig gestellt war, eine erschöpfende, allen Erfordernissen der Objektivität entsprechende sei. Ihr Vorzug liegt gerade in ihrer Eigenwilligkeit und Lebendigkeit, die, wie wir hoffen, nicht nur das Interesse jedes Bundesbruders hervorrufen, sondern in großem Umfange auch zum Berichtigen, Ergänzen, Hervorsuchen und Einsenden von Material Anlaß geben wird. Es ist eine sehr schwierige Aufgabe, die Geschichte des K.J.V. zu schreiben, die aus so verschiedenartigen Elementen sachlicher und persönlicher Art zusammengesetzt ist. Das K.J.V. als solches ist niemals 112