Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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konnten als Grundlage einer nationalen Existenz ausreichen wurde. Ohne eine Mindestquantität an Menschen und Land ist ein normales Volksleben nicht möglich. Es fehlt an allen Anzeichen dafür, daß dieser Gedanke, der vor mehreren Jahren in zionistischen Kreisen besprochen wurde, jetzt ernsthaft verfolgt würde. Er ist trotzdem der Beachtung wert, wegen des in ihm enthaltenen Grundgedankens, die Frage der Macht durch Teilung zwischen Juden und Arabern zu lösen. Diese Methode könnte in einer anderen Form auch innerhalb eines gemeinsamen Staatswesens durch eine entsprechende Beteiligung beider Völker am staatlichen Apparat angewendet werden. Durch die Uebergabe staatlicher Positionen an Angehörige beider Völker könnte ihre Stellung als gleichwertige Träger des Staatswesens symbolisch und praktisch zum Ausdruck gebracht werden. Uebrigens wäre die auf diese Weise sich ergebende Verringerung des Anteils der englischen Kolonialbürokratie am Beamtenapparat auch ohne diese politische Bedeutung der Sache erwünscht. Die sachlichen Leistungen der englisch geleiteten Verwaltung sind keineswegs imponierend. Das Verständnis sowohl für den möglichen politischen, wie für den administrativen Nutzen einer stärkeren Beteiligung von Palästinensern an der Beamtenschaft ist bisher nicht sehr groß. Als vor kurzem ein Araber auf einen hohen Posten der Justizverwaltung befördert wurde, äußerte die jüdische Oeffentlichkeit ihren Unwillen. Es war gewiß richtig und zulässig, auch anläßlich dieser Ernennung die Besetzung ähnlicher Posten mit Juden zu fordern und überhaupt die unzulängliche Beteiligung von Juden an der Beamtenschaft zur Sprache zu bringen. Aber es war kein Anlaß, gegen die Ernennung des — sachlich qualifizierten — Arabers zu protestieren, oder gar, was leider ein zionistenfreundlicher Abgeordneter getan hat — im Wege einer. parlamentarischen Anfrage in London zu verbreiten, daß der arabische Beamte die Beförderung persönlichen Beziehungen zu verdanken hätte — ein Beispiel nicht nur für schlechten Instinkt, sondern auch für mangelnde Orientierung über die Möglichkeiten und Gebote der jüdisch-arabischen Verständigung. V. Für den politischen Aspekt — die Machtfrage — des jüdisch-arabischen Problems kann der Gedanke der arabischen Föderation Bedeutung erhalten. Die arabische Bewegung in Palästina lebt heute im wesentlichen vom Gegensatz zu den Juden. Ihre Politik gilt nicht einem autonomen, lediglich aus ihrem eigenen Wesen sich ergebenden Ziel, es fehlt offenbar auch an der gedanklichen Vorbereitung hierfür. Ein arabischer Nationalismus, dessen Lebensgrundlagen gerade im Lande Palästina lägen und dessen Ziele gerade in diesem Lande verwirklich werden müßten, entbehrt des theoretischen Fundaments. Es gibt heute keine besondere palästinensisch-arabische Nation. Eine arabische Zeitung mahnte vor kurzem die Araber Palästinas an das Beispiel Aegyptens. Das Bewußtsein ihres eigenen Sonderwesens und die Konzentration auf ihr eigenes Schicksal unter bewußter Vernachlässigung der Zusammenhänge mit anderen arabischen Ländern hatte den Aegypten! das erreichte Maß von Unabhängigkeit gebracht. In Wahrheit zeigt der Vergleich den entscheidenden Unterschied zwischen dem palästinensischen und dem ägyptischen Fall. Die Aegypter haben eine eigene politische Geschichte, sie sind vor allem Erben einer Jahrtausende alten, bedeutsamen geistigen Vergangenheit. Auf diesen Elementen kann sich, auch abgesehen von den eigentümlichen geographischen Lebensbedingungen und der besonders geprägten physischen Beschaffenheit des Volkes, ein selbständiges Nationalbewußtsein und das Programm einer eigenen nationalen Bewegung aufbauen. Aber ohne eine eigentümliche geistige 109