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Der jüdische Wille · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · page 15

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Date
1934-07-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Der extreme arabische Nationalismus zieht seine Kraft aus der politischen Parole, die er ohne Rücksicht auf und sogar in bewußtem Gegensatz zu dem wirtschaftlichen Interesse der Araber verkündet. Er stellt die Frage der politischen Zukunft des Landes, der künftigen1 Verteilung der Macht. Er verlangt, daß der arabische Herrschaftsanspruch anerkannt wird, sonst würde die Herrschaft den Juden zufallen. Mit dieser Begründung ruft er das Volk auf zum Kampf gegen den Aufbau des jüdischen Nationalheims. Auf diese Situation antwortet eine jüdische Richtung ganz in der Art des arabischen Nationalismus, nur mit Aenderung des Vorzeichens. Sie hält den Kampf um die Herrschaft für unvermeidlich, aber er kann und soll selbstverständlich zugunsten der Juden entschieden werden. Nach einer anderen Meinung ist es möglich und besser, die Lösung des Problems durch Kampf und Entscheidung zu vermeiden. Der Streit soll erledigt werden, indem der Streitgegenstand beseitigt wird. Jedes der beiden Völker soll Freiheit für sich, aber nicht Herrschaft über das andere erhalten. Die Frage der Macht soll durch Neutralisierung der Regierungsgewalt gelöst werden. Es ist die Aufgabe dieser Richtung, der Bewegung immer wieder die vorhandenen Wege zu einem Aus* gleich zu zeigen. Auf die Frage der Mitwirkung einer Volksvertretung an der Regierung des Landes Palästina, die seit geraumer Zeit auf der Tagesordnung steht, soll hier im einzelnen nicht nochmals eingegangen werden. Nur eine Bemerkung scheint gegenüber der offiziellen Haltung unserer Instanzen auch diesmal notwendig: wir werden nicht damit auskommen, daß wir uns ausschließlich auf Neinsagen beschränken. Wir stehen vor der Frage, ob wir nicht rechtzeitig versuchen sollen, auf eine positive Entscheidung in unserem Sinne Einfluß zu üben. Mindestens sollte einmal mit einem ernsthaften Studium der vorhandenen Möglichkeiten begonnen werden. Die Frage ist nicht nur ein Problem der Machtverteilung unter den interessierten Gruppen, sondern nach den Erfahrungen der Zeit nach dem Kriege wäre auch die zweckmäßige Form des parlamentarischen Mechanismus und des Umfanges der Zuständigkeit einer Vertretungskörperschaft zu untersuchen, insbesondere auch für die Länder des Orients. Der „Near East" hat in der Nummer vom 28. Dezember 1933 in einem Aufsatz „Parlament und Parteien" zahlreiche Beispiele für das Versagen parlamentarischer Institutionen in orientalischen Ländern zusammengestellt. Wenn wir uns entschließen, eine solche Untersuchung in einer aus Vertretern der drei Gruppen — Engländer, Araber, Juden — zusammengesetzten Kommission anzuregen, würden wir zum ersten Male unseren Willen dokumentieren, die Frage als ein objektiv-sachliches Problem und nicht mehr ausschließlich als eine Form des jüdisch-arabischen Gegensatzes zu behandeln. Es ist allerdings fraglich, ob es für eine solche Untersuchung und für die entsprechende Vorbereitung bei uns nicht zu spät ist. IV. Vor einiger Zeit tauchte in der arabischen Presse ein Gerücht über die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Kanton auf. Die flächenmäßige Teilung Palästinas hätte den großen Vorzug, einerseits die einfachste, andererseits die vollständigste Lösung des Herrschaftsproblems zu bringen. Die Bezirke der Herrschaft der beiden Völker werden begrenzt, aber in den begrenzten Bezirken erhalten sie die ganze Herrschaft (wenn man von dem Schutzverhältnis zur Mandatarmacht absieht). Die politischen Aspirationen beider Völker würden, freilich auf engerer Fläche, in einer sonst nicht möglichen Vollständigkeit erfüllt werden können. Die Konstruktion eines zweiten gleichberechtigten Staatsvolkes würde überflüssig werden. Aber es erhebt sich die Frage, ob das Gebiet, in dem die Juden als Staatsvolk siedeln 108

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