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Der jüdische Wille · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · page 12

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Date
1934-07-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Standteils der Entwicklung des Landes wurden dabei nicht erwähnt. Das wirtschaftliche Aufblähen Palästinas ist zwar Gegenstand offizieller Glückwünsche, aber die Juden werden als Autoren mindestens eines großen Teiles dieses Prozesses nicht beim Namen genannt. Diese Tatsachen schließen sich zu einem Gesamteindruck zusammen: der Aufbau des Nationalheims soll weitergehen, aber nicht in zu schnellem Tempo. Die Regierung möchte verhindern, daß die Empfindlichkeit der Araber durch die überwältigende Leistung der Juden allzu sehr gereizt wird, und sie bemüht sich darum, daß der arabische Volksteil nicht allzuweit hinter den Juden zurückbleibt. Sie erstrebt einen Ausgleich des Niveaus und gewährt daher den Arabern ihre besondere Unterstützung, damit sie in Zukunft, auf sich selbst gestützt, sich gegen die jüdische Expansion behaupten können. In der zur Levantemesse erschienenen Palästina-Beilage des „Near East" — die an sich ein Dokument der Sympathie für den jüdischen Aufbau ist — ist in einem redaktionellen Aufsatz diese englische Politik knapp und klar folgendermaßen beschrieben: „Die Palästina-Regierung muß notwendigerweise hinter der machtvollen Begeisterung der Juden zurückbleiben, schon deswegen, weil sie erwägt, daß die dauernde Wohlfahrt Palästinas von einem mehr ausgeglichenen Fortschreiten der Bevölkerung als eines Ganzen abhängt. Während der Jude sich seiner Ueberlegenheit des Intellekts, der Erfahrung und der Energie bewußt ist, fürchtet er die zahlenmäßige Stärke der Araber,* die letzteren, die unter einem Minderwertigkeitskomplex leiden, halten sich von Kooperation fern, weil sie bedeutet, daß die Vorteile von ihnen bestätigt werden, die die Erbschaft der Juden sind. Bis dieser Mangel an Gleichgewicht zwischen den beiden Parteien ausgeglichen werden kann, werden sie sich wahrscheinlich weiter über die breiten Schultern der Palästina-Regierung weg anstarren. Der Prozeß, den Stand der palästinensischen Araber in bezug auf Selbsthilfe, Erziehung, Verwaltungserfahrung und auch Kenntnis der äußeren Welt zu heben, braucht Zeit. Solange diese Arbeit vorwärts schreitet, werden die Juden glauben, daß sie bei jeder Wendung zurückgehalten oder behindert werden ... Inzwischen bleibt die Aufgabe der Palästina-Regierung, den Frieden zwischen den beiden Teilen der Bevölkerung aufrechtzuerhalten und die wirtschaftliche Blüte des Landes; in der Hoffnung zu fördern, daß die Araber durch! ijlife schrittweise Verbesserung ihres Lebensstandards, der Erziehung und der Aussichten mehr Vertrauen darauf gewinnen werden, daß sie sich gegen eine Minderheit, wie begabt sie auch sein mag, behaupten werden . . Diese Politik bedeutet eine schwere Belastungsprobe für das Verhältnis der Juden zur Mandatarmacht. Die Juden können es in einer Zeit bitterster Judennot einerseits, und bedeutender Entwicklungsmöglichkeiten des Landes andererseits schwer ertragen und kaum verstehen, daß ihr Fortschreiten gebremst werden soll, weil ihr Abstand von den Arabern nicht zu groß werden darf. Indessen soll auf diese Seite der Sache, auf ihre Bedeutung für das jüdisch-englische Verhältnis hier nicht eingegangen werden. Aber in unserem Zusammenhange ist diese englische Politik wegen ihrer Wirkung für den jüdisch-arabischen Ausgleich wichtig. Er wird durch sie nicht nur nicht gefördert, sondern gestört. Der Grundfehler dieser Politik ist eine Unklarheit: will sie den Arabern in Palästina das politische Uebergewicht über die Juden garantieren? Das letztere Ziel wäre für die Juden ein unannehmbares Prgfc gramm. Sie werden sich nicht damit abfinden, daß sie aucTi in Palästina zur Rolle der ewigen Minderheit verurteilt sein sollen, daß diese Tatsache dei zahlenmäßigen Minderheit ihre politische Stellung in Palästina charakterisieret soll. Der Sinn des Zionismus und der nationalen Heimstätte ist die Aufhebuni der Galuthposition des jüdischen Volkes. Galuth ist jedes Land, in dem di< 105

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