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Der jüdische Wille · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · page 13

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Date
1934-07-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Juden tieften einem anderen Volke leben, däs Träger der Herrschaft über das Land ist. Wenn die nationale Heimstätte einen Sinn haben soll, muß sie den Juden die Freiheit von der Herrschaft eines Nachbarvolkes verbürgen. Ein jüdisch-arabischer Ausgleich hat für die Juden nur Wert, und ist daher nur möglich, wenn diese Mindestforderung anerkannt wird. Deswegen erfordert der Ausgleich, daß die Araber den Anspruch aufgeben, in Zukunft aliein über die Herrschaft des Landes zu verfügen. Dieser Herrschaftsanspruch ist heute der eigentliche Inhalt der national-arabischen Bewegung. Große Teile der arabischen Bevölkerung sind noch immer bereit, auf jeden Ruf der Führung für ihn zu demonstrieren. Niemand wagt es, die Verkündung dieses Anspruchs abzulehnen. Der arabische Nationalismus wird diesen Herrschaftsanspruch nicht aufgeben, und den ihn ausschließenden jüdischen Freiheitsanspruch nicht anerkennen, solange die englische Politik sich sorgfältig hütet, die Tätsache des Nationalheims, das heißt aber die Existenz der Juden als eines Staatsvolkes mit vollem Recht, das auch der Herrschaft des zweiten Landesvolkes nicht unterworfen ist, den Arabern mit voller Klarheit zum Bewußtsein zu bringen. Es ist nicht zu leugnen, daß die Politik der Unklarheit der Regierung im Herbst des vergangenen Jahres einen aktuellen Erfolg gebracht hat. Die arabischen Demonstrationen, die während der Abwesenheit des High Commissioner zu blutigen Zusammenstößen geführt hatten, wurden trotzdem nochmals gestattet, aber unter solchen Bedingungen, daß sie jede ernste Bedeutung verloren und zum Teil auch von der arabischen Presse verspottet wurden. Aber diese Methode, die zu dieser Niederlage des arabischen Extremismus geführt hat, geht auf Kosten des großen Zieles, das eine ehrliche und weitdenkende Politik verfolgen müßte. Es kann angenommen werden, daß England an der Politik der jüdischen Heimstätte festhält. Die Einwanderungsziffern der letzten Zeit sprechen dafür, bei allem Mißverhältnis zu den berechr gten jüdischen Forderungen. Mit der Politik der Heimstätte ist auch für die Regierung die Aufgabe eines jüdischarabischen Ausgleichs gesetzt. Die Konstruktion, daß England beiden Parteien Vorteile gewähre, um sie gegeneinander zu hetzen, scheint eines der zahlreichen Beispiele politischen Aberglaubens zu sein. Sie widerspricht der ganzen Linie der englischen Orientpolitik, die überall Frieden und Ruhe sucht, sie entbehrt auch jedes inneren Sinnes. Denn für Englands Herrschaft über Palästina ist der jüdisch-arabische Gegensatz nicht notwendig. Er steigert vielmehr nur die Unkosten und Schwierigkeiten ihrer Ausübung. In manchen Kreisen der englischen Politik mag man heute die Balfour-Deklaration bedauern, weil sie Unruhe und Kampf in einen Teil des Orients hineingetragen hat. Aber diese Richtung würde sich vergeblich um eine Korrektur der Balfour-Deklaration in dem Sinne bemühen, daß man das Nationalheim zu einer belanglosen Sache von kleinem Ausmaß reduziert. Die erstrebte Wirkung auf die Araber würde auf diese Weise kaum erreicht werden, solange die Balfour-Deklaration überhaupt besteht. Die Juden aber werden sich gegen diese Verfälschung der Balfour-Deklaration mit aller Leidenschaft zur Wehr setzen, und die Zeit des Passfield-Weißbuches hat gezeigt, daß ihr Widerstand erfolgreich sein kann. Inzwischen ist überdies der jüdische Volksteil Palästinas ganz erheblich stärker geworden, inzwischen ist auch das Judenproblem und die Notwendigkeit der jüdischen Heimstätte in Palästina der Welt unvergleichlich klarer geworden. Diese jüdischen Reserven müßten die englischen Politiker überwinden, die in der Bagatellisierung der Balfour-Deklaration die Lösung des jüdisch-arabischen Problems suchen. Eine englische Politik, die 106

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