Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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immer wieder hervorleuchtender Glaube an irrationale Kräfte, seinetiefe Abneigung gegen alles Schematische und Mechanische« Seine Ablehnung alles dogmatischen Denkens, das immer nur ein Einmaliges in ewiger Gleichförmigkeit wiederholt, stammt aus einer Liebe zu immer neuer Gestaltung, in der« von einem Grundgedanken ausgehend, von Mal zu Mal neue Formen sich ergeben, in der die Intuition und die Eingebung des Moments plötzlich Ideen und Formulierungen aufblitzen lassen, nach denen der Mann der eingleisigen Gesinnungsfestigkeit sein ganzes Leben lang zwischen Büchern am Schreibtisch vergeblich sucht. Kein Wunder, daß dieser Mann von manchen mißtrauisch betrachtet wird; kein Zufall, daß auch Zionisten, die von Altgewohntem nicht lassen wollen, mit nur schlecht verborgener Feindseligkeit auf diesen Mann blicken, vor dessen Fragen nichts sicher ist. Was aber bei diesen Fragen immer wieder versöhnend stimmt, ist, daß es um einer Antwort willen geschieht, und nicht um der Frage und Kritik selbst willen. Wie sehr er mit Problemen ringt, wie hoch dieses Ringen erhaben ist über das unverbindliche Problematisieren bindungsloser Intellektueller, zeigt am besten seine persönliche Entwicklung m Dingen der Religion; die von einer aus dem Wesen der Politik (nach Macchiavelli und Troeltsch) abgeleiteten notwendigen Areligiosität des Zionismus zu der Rede auf der letzten A.-C,-Sitzung führte, in der er ein Verständnis für die Bedeutung der Religion im nationalen Leben an den Tag legte, das den deutschen Misrachi überraschte und aufhorchen ließ. — Sein großer innerer Kampf geht um das Jüdischer-Werden. Der Binjan Haarez hat diesen Kampf aus dem Vollgefühl des Killemenschen der posenschen Kleinstadt heraus nie gesehen. Aber wir wissen, was es bedeutet, wenn als Kronzeuge des Zionismus nicht nur Goethe, Faust II, Friedrich Meinecke, Weltbürgertum und Nationalstaat, herangezogen werden, sondern immer mehr die Bücher Exodus und Esra in den Vordergrund treten. Bei alledem aber wissen wir ihm Dank dafür, daß er nicht vorschnell dem von Buber-Epigonen leichtfertig proklamierten Ideal eines angeblich wahren jüdischen Wesens gefolgt ist, sondern in der echten Askese, die Max Weber vom Wissenschaftler fordert, sich beschied bei dem Noch-nicht-Wissen, das erst nach Generationen des Lebens in Erez Israel einer echten inneren Sicherheit wird Raum geben können. Sereni hat einmal kürzlich geschildert, welch großen Respekt er immer vor der ZVfD. empfunden habe. Daß in der ganzen zionistischen Welt die ZVfD. wirklich als Verkörperung der Herzischen Idee der zionistischen Organisation noch heute dasteht, das ist Blumenfelds Verdienst. Er hat uns staatlich denken und leben gelehrt, und hat aus Menschen, die gewohnt waren, allem Interessanten nachzulaufen, Zionisten geschaffen, die das Eine tun, was notwendig ist. Ein Gewissen hat er in uns gepflanzt, das bei jeder Vernachlässigung der nationalen Pflicht sich rührt, ein Verantwortungsbewußtsein uns eingeprägt, das selbst dem Schlechtesten unter uns nie ganz abhanden kommt. Getragen hat er sich alle Zeit gefühlt von dem Bunde, der ihn heute beglückwünscht: dem K.J.V. Er hat seit 1906 nicht nur den B.J.C, zionisiert, sondern auch gesehen, daß innerhalb der großen Organisation ein Kern geschaffen werden muß, der in erhöhtem Maße der Gesamtheit sich verpflichtet fühlt. Indem ein Bund von Zionisten entstand, die durch gemeinsame Erziehung und gemeinsames Leben in den entscheidenden Jahren an der Wende vom Jünglingszum Mannesalter ihr Leben lang menschlich sich einander verkettet fühlen, erhielt die Bewegung ein Rückgrat, das bei manchem Knick und Bruch — denn die Zeit läßt nichts unversehrt — im großen ganzen ihr noch heute 98