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Der jüdische Wille · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · page 4

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Date
1934-07-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Schaft, entgegengesetzt. Die Interpretation des einmal gesetzten, unter allen Umständen beständigen Rechtes, die oft mehr Scharfsinn als Einsicht, mehr Intelligenz als Klugheit erfordert, die juristische Denkweise, die durch den stabilen Charakter des Ausgangspunktes, des gesetzten Rechtes, sehr oft etwas Statisches annimmt, ist grundsätzlich verschieden von Blumenfelds Anlage, in der viel stärker der Gedanke der Entwicklung ausgebildet ist. So kam er schon auf der Universität zu historischen und soziologischen Studien, so gelangte er zu seiner viel bewunderten Meisterschaft in der Darstellung der Judenfrage, die niemals auf den Ergebnissen der letzten Statistik sich aufbaut und dem Hörer nur eine genaue Information — eine genauere als gewöhnlich — über den gegenwärtigen Stand der Dinge vermittelt, sondern die immer historisch vorgeht und ein Bild des Werdens, des langsamen Entstehens gibt und erst dadurch ein tieferes Verständnis der Aktualität ermöglicht. Die Reden Nordaus zeigten dem Juden, wo er stehe, und wirkten wesentlich wohl durch ihr gewaltiges Pathos, die souveräne Beherrschung des Ausdrucks; die Reden Blumenfelds, an Glätte der Form weit dahinter zurückbleibend, zeigen dem Juden, auf welche Weise er bis zu dem augenblicklichen Standort gekommen sei; deswegen erzeugen sie nicht jene Erschütterung, die besonders die ersten Reden Nordaus hervorriefen, wohl aber Besinnung und Nachdenklichkeit, ernste Ueberlegung der Judenfrage und ein langsam sich verstärkendes Innewerden des Notwendigen, Nordau tröstete; Blumenfeld mahnt. So wurde er zum zionistischen Erzieher. Wenn man fragt, was Blumenfeld ermöglicht hat, ein Vierteljahrhundert in diesem Sinne ohne Unterbrechung tätig zu sein, so wird man wohl sagen müssen, daß er das letztlich dem künstlerischen Grundzug seines Wesens verdankt. Ohne ihn hätte er schon die rein physische Beanspruchung, der er ausgesetzt war und ist, nie ertragen. Es gab tausend Gelegenheiten, bei denen er hätte resignieren können, unendlich zahlreiche Widerstände, die seinen Elan hätten erlahmen lassen können. Viele sind in diesen Jahren allmählich mürbe geworden, haben sich mehr und mehr zurückgezogen; Blumenfeld kennt kein „Altherrenproblem". Immer wieder drängte ihn ein Eros dazu, die Judenheit anzugehen und sie zur Nation zurückzuführen; immer wieder fühlte er sich getrieben, mit ihr zu kämpfen und sie zu überwältigen. Er empfindet die; politische Tätigkeit für das jüdische Volk als die Aufgabe einer Gestaltung: aus einer fast zusammenhanglosen Menge atomisierter Individuen eine nationale Gemeinschaft zu formen. Das ist eine künstlerische Aufgabe; wer sie erfüllen will, ist anderen Gesetzen der Arbeitsweise unterworfen als der, der einen bürgerlichen Beruf ausübt. Deshalb gibt es bei Blumenfeld Depressionen, Stadien erhöhter Reizbarkeit, in denen er unter Umständen schwierig zu behandeln ist; das dumme Wort von der „Primadonna" stammt aus letzter bürgerlicher Verständnislosigkeit für diese Erscheinungen, unter denen der Betroffene doch am meisten leidet. Deshalb gibt es aber auch Gezeiten einer gesteigerten Schwungkraft, geistiger Fruchtbarkeit und eines Glücksgefühls« wie es nur der Mensch kennen kann, der selber etwas von ihm Geschaffenes werden sieht. Sigmar Ginsburg hat vor mehreren Jahren in Königsberg einmal gesagt, Blumenfeld sei eine barocke Persönlichkeit. Dieses Wort trifft sicherlich sein Wesen am treffendsten. Darin ist ausgedrückt das Ueberraschende mancher Aeußerungen seiner Natur, die oft eitwas gewaltsame Art seines Vorgehens, seine bei vielen Reden so erstaunliche breitausladende Linienführung, seine Freude an originellen Gedanken, auch seine hier und da an Polyhistorie grenzende Belesenheit, sein bei aller Schärfe des eigenen Verstandes doch w

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