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Der jüdische Wille · 1934-05-01 · Heft 3 (Mai 1934) · page 9

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 3 (Mai 1934)
Date
1934-05-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Aber um eine Frage wurde nicht gekämpft, denn sie war nicht umstritten: die Unantastbarkeit der Organisation« Für eine Diskussion dieser Frage darf auch heute im Kartell kein Platz sein. Dies mit aller Offenheit auszusprechen und von unseren Bundesbrüdern insoweit nicht nur ein Lippenbekenntnis zu verlangen, erscheint mir notwendig. Ich glaube, daß es einem Kreise wie dem unsrigen in einer Zeit, in der vieles eingestürzt ist, durchaus zukommt, auch einmal den Mut zu einer primitiven Parole zu haben; aber nicht nur zur Parole, sondern auch zu ihrer Durchführung. Anerkennung der nationalen Fonds, Anerkennung der Organisation sind die selbstverständlichen Pflichten eines KJVers. Wer diese Forderung nicht bejaht, kann nicht zu uns gehören. — Oder will jemand behaupten, daß die Anerkennung dieser Minimalpflichten die Möglichkeit differenzierter Meinungen ausschlösse? Bei Durchführung dieser Prinzipien wird sich herausstellen, wer wirklich KJVer ist, d. h. wer die ersten Gebote verantwortlichen nationalen Denkens als für sich verbindlich erachtet. Nebenbei bemerkt macht doch die Tatsache, daß die staatszionistische Organisation in Deutschland keinen Konnex mit der die nationalen Fonds boykottierenden Jabotinskyrichtung hat, es den revisionistisch eingestellten Bundesbrüdern durchaus leicht, ihre Anerkennung der nationalen Fonds sehr praktisch zu dokumentieren. Deshalb müssen wir dafür Sorge tragen, ein einheitlich von diesen Forderungen getragenes Kartell zu schaffen. Bevor dies nicht der Fall ist, erscheint es mir falsch, an die anderen Aufgaben heranzugehen. So hat die Gewinnung älterer Akademiker doch nur dann einen Sinn, wenn wir selbst genügend aktiviert sind, um diese Menschen zionistisch einordnen zu können. So weit sind wir heute gewiß noch nicht. Und auch eine Nachwuchsbewegung werden wir uns nicht schaffen können, wenn wir einer Jugend kein zentral geleitetes, bei aller Differenziertheit in seinen Grundforderungen einheitlich geführtes Aelteren-Kartell werden zeigen können. So aktuell diese Dinge sind, so wenig neu sind sie. Und wenn ich heute den Mut finde, Selbstverständliches darzulegen, so deshalb, weil ich glaube, daß die Entwicklung des Kartells in den letzten Jahren von den Elementen gehemmt wurde, die innerlich nicht mehr zu uns gehörten. Noch heute glauben Bundesbrüder z. B. ihre Zugehörigkeit zum Kartell mit der Zugehörigkeit zum Frontbund vereinbaren zu können. Von den rein taktischen Argumenten, die angeführt werden, möchte ich absehen. Daß diese Probleme noch diskutiert werden müssen, zeigt, daß das Kartell heute in den primitiven Fragen zionistischer Grundhaltung kein einheitliches Gesicht hat. Und solange hierauf nicht eine eindeutige Antwort gegeben wird, kann es uns nicht gelingen, eine starke einsatzbereite Altherrenschaft zu schaffen. Immer wieder werden wir an den naheliegendsten Aufgaben, wie Hebraisierung der Bünde, Einreihung der Bundesbrüder in die Arbeit scheitern. Kein Präsidium kann diese Aufgaben erfolgreich durchführen, wenn nicht jeder von dem anderen das Gefühl hat, daß er nach Maßgabe seiner Kräfte mitarbeitet. Der heutige Zustand des Kartells erscheint mir untragbar. Er bedeutet praktisch eine Legalisierung der Indifferenz und Verantwortungslosigkeit in unseren Reihen und diskreditiert den einst mit Recht erlangten Ruf eines verantwortungsfreudigen und disziplinierten Bundes. 82

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