Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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mit der Möglichkeit einer Aenderung rechnen und deshalb eine Politik treiben, die unabhängig von der Konstellation den realen Kräften Rechnung trägt. Das bedeutet, Verständigung mit dem arabischen Volk anzustreben mit allen Mitteln^ die mit unseren nationalen Lebensnotwendigkeiten vereinbar sind. Ob solche Verständigung heute möglich ist, darauf kommt es nicht an. Wichtig ist die Einstellung, von der das jüdische Volk beherrscht sein muß, und diese muß auf freundschaftliche Verständigung, nicht auf höfliche Gleichgültigkeit gerichtet sein. III. Der Revisionismus ist eine gefährliche Entartungserscheinung der jüdischen Nationalbewegung. Jede gesunde Nationalbewegung ist in erster Linie auf Erneuerung des eigenen Volkstums gerichtet, auf Ausscheidung alles dessen, was faul und morsch geworden ist, auf Wiedergeburt der Volkskräfte, auf Renaissance; die durch die nach innen gerichtete Erziehungsarbeit erstarkte Nation sucht und findet dann auch die adäquate staatliche Form. Jede Nationalbewegung hat auf dem Wege der Verwirklichung mit Widerständen zu rechnen, deren Ueberwindung bei den Führern Geduld und Zähigkeit, bei den Geführten Vertrauen zu den Führern und Glauben an die eigene Sache erfordert. In solchen Zeiten der Krise besteht die Gefahr, daß die Nationalbewegung entartet. Dann stehen die falschen Propheten auf mit den großen starken Worten, mit den leidenschaftlich pathetischen Anklagen. Dann ertönt das Wort „Verrat". Man ist verraten von der ganzen Welt, verraten insbesondere von den eigenen Führern. Eine unreife, unerzogene Jugend und noch mehr die Schar der halbgebildeten, halbinteressierten Spießer läßt sich gern von den großen Worten berauschen, ist leicht geneigt, den nach außen gerichteten Forderungen tosenden Beifall zu spenden, insbesondere wenn man gleichzeitig einen Vorwand erhält, sich den eigenen nationalen Verpflichtungen zu entziehen. Und hierin liegt die Hauptgefahr: der Weg des „Radikalismus" ist der leichtere Weg und verleiht noch die Gloriole des wahren Patrioten. Das KJV hat es stets als seine Aufgabe angesehen, geschulte, gebildete Zionisten zu erziehen. Erfüllt das KJV seine Aufgabe, so werden seine Bundesbrüder der Gefahr des falschen Nationalismus nicht erliegen. Wer gehört zu uns? Von Georg Hirsch (Ruder V.J.St. A.H.) Der Kartelltag ist vorüber Die Ehrlichkeit gebietet festzustellen, daß er keine Demonstration eines unbeugsamen zionistischen Willens darstellte. Ein Impuls zu einer intensiveren zionistischen Arbeit konnte von dieser Tagung schwerlich für diejenigen ausgehen, die bisher den Dingen etwas fern gestanden haben. Und wenn man ziemlich einstimmig für Aufrechterhaltung des KJV war, so scheint es mir um so notwendiger, bei der Vielfalt der Meinungen nochmal klar zu stellen, welchen Sinn ein KJV in der heutigen Situation nur haben kann. Wir waren bisher ein Bund, der nicht nur bestrebt war, seinen Mitgliedern eine gut fundierte zionistische Bildung zu vermitteln, sondern der seine Bundesbrüder zu einer ganz bestimmten zionistischen Hältung erzog. Unser 80