Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1934-05-01 · Heft 3 (Mai 1934) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 3 (Mai 1934)
Date
1934-05-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2827066-3186699-3186702--0789-3186849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Argumente der Revisionisten wirken tragikomisch» (Ich kenne einen Erfinder mit ganz großartigen Erfindungen, der dauernd einen Großindustriellen bestürmt, die Erfindungen in seinen Unternehmungen durchzuführen und den Erfinder als Partner aufzunehmen. Bisher hat der Industrielle — dumm wie die Engländer — sein Glück ausgeschlagen.) England und die öffentliche Meinung der Welt werden für den Zionismus nur insoweit Interesse haben, wie sie von der Gerechtigkeit seiner Forderungen überzeugt sind. Gewiß kann man die Auffassung vertreten, daß die Welt nicht durch Gerechtigkeit, sondern durch das eigene Interesse beherrscht wird. Dann kommt es nur auf die eigene Kraft und Leistung an; dann ist jeder Appell an af^nfH^ft M^nr^ ci««!™; dann hat es auch keinen Zweck zu deklarieren und zu petitionieren, sondern dann gilt es nur mit zusammengebissenen Zähnen auf das Ziel loszugehen. Bei aller Skepsis gegenüber dem Weltgewissen hat es sich aber gezeigt, daß es so etwas wie eine öffentliche Meinung der Welt gibt, deren Sympathieen oder Antipathieen von realer Bedeutung sind, und die in ihrer Haltung durch die Gerechtigkeit einer Sache beeinflußt werden kann. Wir Zionisten können eine Außenpolitik nur treiben, wenn wir an eine öffentliche Meinung der Welt und ihre Beeinflußbarkeit durch die Gerechtigkeit unserer Sache glauben. Mir scheint allerdings, daß in unseren Tagen größere Möglichkeiten einer zionistischen Außenpolitik bestehen. Die Judenfrage ist vor den Augen der Welt wieder in ihrem vollen katastrophalen Umfange aufgerollt worden, das erstarrte Eismeer ist wieder in Bewegung geraten; wir brauchen uns heute nicht auf den Wortlaut des Mandates zu berufen, sondern können darlegen, daß seine „jüdischen" Bestimmungen durch die Ereignisse der letzten Zeit mehr als gerechtfertigt, daß sie als notwendig sich erwiesen haben. Aber auch heute wird der Erfolg unserer Politik zur Gewinnung der öffentlichen Meinung der Welt dort seine Grenze haben, wo die Gerechtigkeit unserer Forderung aufhört. Denn mag auch die Welt nur durch reale Interessen bestimmt werden, überall da, wo die Welt ohne eigenes Interesse ist, läßt sie sich nun einmal von Ideen wie der der Gerechtigkeit leiten. b) Es ist keine weitschauende Politik, wenn man sich nur auf eine bestimmte Konstellation stützt. England hat heute das Mandat. England hat heute auch ein reales Interesse an Palästina. Aber kann diese Konstellation nicht in fünf oder zehn Jahren völlig verändert sein? Man braucht nicht viel Phantasie zu haben, um sich die verschiedenen Möglichkeiten auszumalen, die zu einer Aenderung der heute gegebenen Konstellation führen können. Aber unabhängig von jeder Konstellation wird Palästina von einer großen arabischen Bevölkerung bewohnt sein, die, selbst günstigste EinwanderungsVerhältnisse vorausgesetzt, in 10 Jahren noch größer sein wird als die jüdische« Unabhängig von jeder Konstellation wird Palästina von arabischen Reichen umgeben sein, wird die jüdische Wirtschaft auf die sie umgebende arabische angewiesen sein, zum mindesten wohl der jüdische Produzent auf den arabischen Konsumenten. Ist es da eine weise Politik, gegenüber den Arabern die Haltung der höflichen Gleichgültigkeit zu proklamieren? Ist Gleichgültigkeit überhaupt möglich bei einem so nahen Verhältnis? Gleichgültigkeit kann bestehen, wenn gar keine Beziehungen vorhanden sind. Wenn aber das Verhältnis so eng ist, daß dauernde Beziehungen notwendig werden, so kann die Beziehung nicht gleichgültig bleiben, sondern muß irgendwie gefärbt sein, freundlich oder feindlich. Und in der gesuchten Haltung der höflichen Gleichgültigkeit liegt der Keim zur ablehnenden Feindschaft. Auch wenn man das Fortbestehen der gegenwärtigen Konstellation (Englands Mandat) für möglichst lange Zeit wünscht, muß man zum mindesten 79

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.