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Der jüdische Wille · 1934-05-01 · Heft 3 (Mai 1934) · page 4

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 3 (Mai 1934)
Date
1934-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nationalbewegung. Das judische Volk ist jedenfalls in der Gegenwart kein Volk wie alle Völker; die Zerstreuung ist nicht die einzige Abnormität, so daß es nur darauf ankäme, die Zerstreuten in Palästina zu sammeln. Der Zionismus ist keine bloße Transportbewegung, Das jüdische Volk muß zunächst einmal wieder ein Volk werden. Diese Gemeinschaft von Menschen, die Jahrtausende von allen normalen Lebensbedingungen eines Volkes entfernt, in wenige Berufe eingesperrt, des eigenen Bodens beraubt, die eigene Sprache vergessend, den anderen gesunden Völkern zum Gespenst geworden war, soll wieder ein gesundes normales Volk werden. Das bedeutet eine schwere von einer Generation gar nicht zu lösende Erziehungsaufgabe, die in der Gola zu beginnen und in Palästina fortzusetzen ist. Und diese Aufgabe ist mit einem „monistischen" Zionismus nicht zu lösen. Wer junge Intellektuelle zur körperlichen Arbeit, wer Städter aufs Land zurückführen will, wird der Jugend neben dem nationalen auch ein soziales Ideal zeigen müssen. Die Verständnislosigkeit des Revisionismus gegenüber der Arbeiterschaft wäre nicht möglich, wenn der Revisionismus nicht in seiner Grundauffassung monistisch, d, h< formal nationalistisch, ohne Sinn für die Erziehungsaufgabe der jüdischen Nationalbewegung wäre. Und es ist bezeichnend, daß, wenn sich Revisionisten einmal zu einer Respektsbezeugung gegenüber der Arbeiterschaft verstanden, dies in erster Linie der Poale Zion-Richtung gegenüber geschah. Für die Ideologie des Hapoel Hazair, für die Größe eines Gordon fehlt dem monistischen formalen Nationalismus jedes Organ. b) Der Revisionismus verkennt das Verhältnis zwischen Volk und Staat. Für ihn ist der Staat etwas Mechanisches, was man machen kann, etwas Primäres, was bestehen kann ohne Rücksicht auf den Zustand des Volkes« Der Revisionist kann sich den Judenstaat sofort mit Rechtskraft der Balfourdeklaration als gegeben vorstellen. Wieviele Juden im Lande sind, ob über^ haupt Juden da sind, ist eigentlich unerheblich. Die moderne Staatslehre sieht aber im Staat die historisch bedingte Form eines Volkes. Wir Juden stehen in einer Periode, in der der Strom unserer Geschichte in reißendem Flusse ist; wir sind eben erst dabei, uns eine nationale Lebensordnung neu zu schaffen. Haben wir diese erlangt, so werden wir auch zu einer staatlichen Organisation kommen, die den gegebenen Bedingungen unseres Volkes und unseres Landes entspricht. Denn der Staat ist kein Mechanismus, sondern ein Organismus; er wird nicht gemacht, nicht verliehen, sondern er wächst, er wächst heraus aus den realen Gegebenheiten des Landes und des Volkes- Und weil die staatliche Organisation abhängig ist von der nationalen Gemeinschaft, deshalb ist die Qualität des Aufbaus von entscheidender Bedeutung. Die künftige staatliche Ordnung Palästinas wird gewiß abhängig sein von der Quantität der dort lebenden Juden, aber auch von ihrer Qualität, d. h. von ihrer Verbundenheit mit dem Boden, ihrer beruflichen Gliederung, ihrer sozialen Struktur, ihrem geistigen und moralischen Charakter. Diese Momente werden von größerer Bedeutung sein als das formale Prinzip der Mehrheit 51 oder 49%. — „Wenn manche Herren der Meinung sind, daß die möglichst rasche, die sofortige Schaffung einer Majorität von großer Bedeutung ist, so stehe ich auf dem Standpunkt, daß Qualität für uns in Palästina mehr als Quantität bedeutet". Dies sind nicht etwa die Worte eines Brith Schalom Defaitisten, sondern die von Richard Lichtheim auf dem 15. Delegiertentag der ZVfD im Jahre 191,8, in der Maienblüte der Balfourdeklaration. Und auf den Jabotinsky vom 17. Kongreß (1931), daß Mehrheit nicht genügt, sondern Palästina alle leidenden Juden aufnehmen müsse, antwortet Lichtheim (1918), „daß Palästina nicht geräumig genug ist, um unser ganzes Volk aufzunehmen"* 77

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