Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Staatszionismus oder Volkszionismus Von Salli Hirsch. Die vom Kartelltag vertagte Auseinandersetzung mit dem Revisionismus ist inzwischen von verschiedenen KJV-Gruppen aufgenommen worden« Referate und Diskussionen haben in vielen Einzelheiten Material zur Beurteilung der Frage beigebracht; die eigentlich dem KJV angemessene grundsätzliche Atissprache hat aber noch kaum begonnen. Sie soll daher im „Jüdischen Willen" eröffnet und geführt werden, auch damit alle Bundesbrüder passiv und atkiv teilnehmen können. Grundsätzliche Aussprache bedeutet, daß zunächst einmal von Einzelheiten der Methodik und Taktik, die allerdings keineswegs bedeutungslos sind» abgesehen und der Versuch gemacht wird, die dem Revisionismus zugrundeliegende grundsätzliche Anschauung herauszuarbeiten und einer kritischen Prüfung zu unterziehen und ihr die entgegengesetzte zionistische Auffassung in ihrer grundsätzlichen Haltung gegenüberzustellen. I. 1. Am Anfang steht für den Revisionismus der Staat, der Judenstaat« Alles Judenleid kommt daher, daß die Juden überall in der Welt in der Minorität sind. Die Lösung der Judennot und aller Judenfragen ist nur möglich durch Bildung einer Majorität im Judenstaat. Ohne Mehrheit keine Sicherheit. (Beispiel der Balten und der Griechen.) Daher ist ,4as unmittelbare Ziel der praktischen zionistischen Arbeit die Schaffung einer Mehrheit". Endziel dagegen ist die „Heimstätte für alle leidenden Juden, und niemand kann voraussehen, wieviel leidende Juden es in den nächsten Generationen geben wird" (Jabotinsky auf dem 17. Kongreß). 2. Dieser Zionismus ist nur zu verwirklichen durch politische Machtmittel. Bei den gegebenen Verhältnissen Palästinas ist die Mehrheit, deren Erreichung die unmittelbare Aufgabe ist, nicht zu erzielen durch Immigration, Bodenkauf und Ansiedlung, überhaupt nicht mit den Mitteln des jüdischen Volkes allein, sondern nur unter Einsetzung der Machtmittel des Staates, der die Staatsgewalt über das Land ausübt. Es ist eine „Staatsarbeit, die nur mit Staatsmitteln geführt werden kann" (Jabotinsky auf dem 14. Kongreß). Daher die Forderung des Kolonisationsregimes. Die Mandatarmacht muß in Bezug auf Boden (Enteignung!), Schutzzölle und Steuern, die gesetzlichen Maßnahmen treffen, die zur Erlangung der jüdischen Mehrheit erforderlich sind. 3. Damit die Mandatarmacht solche Haltung einnimmt, müssen die Zionisten den Engländern „interessant" sein. Nur ein großer und starker Zionismus ist für England wertvoll als Verbündeter, der ihm den Suezkanal und die Brücke nach Indien schützen hilft. „Die einzige Chance der Juden England gegenüber besteht darin, daß sie das weiße Element gegenüber der eingeborenen Bevölkerung darstellen" (Bbr. Ernst Hamburger in seiner Diskussion mit Sereni). II. Zu 1. Die Grundauffassung des Revisionismus verkennt die Sonderlage des jüdischen Volkes, verkennt das eigentliche Problem der jüdischen Nationalbewegung, verkennt das Verhältnis von Volk und Staat. a) Der Revisionismus verkennt oder beachtet nicht die Sonderlage des jüdischen Volkes und die sich hieraus ergebende erste Aufgabe der jüdischen 76