Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 2 (März 1934)
- Date
- 1934-03-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Bbr. David Feitelberg Diesem lebensprühenden, ewigjungen, grundgescheiten und grundgütigen, diesem Vor allem ur jüdischen Menschen jetzt, schon jetzt, Abschiedsworte schreiben zu müssen — eine bittere Freundespflicht, Das KJV, verehrt in David Feitelberg einen seiner Stammväter, seiner TVOS- Seit 35 Jahren bereits Alter Herr, hing er, nicht im täglichen Arbeitsbetriebr aber im Gefühl der Zugehörigkeit und der Zusammengehörigkeit, an der Verbindung wie der beste Aktive. 1895 Mitbegründer der „Vereinigung jüdischer Studierender", tatkräftig am Aufbau des Berliner VJSt. beteiligt, jahrzehntelang der geliebte und begehrte Mittelpunkt eines enggeschlossenen bundesbrüderlichen Freundeskreises, auch den Jüngsten noch ein vertrauter Name ■— so ist David Feitelberg fast vier Jahrzehnte durch BJC. und KJV. geschritten, der gute Geist unserer Verbindung. Feitelberg war einer der ältesten Träger der zionistischen Idee und Arbeit in Deutschland. Er war Zionist, als es hier noch Zivilkurage erforderte, Zionist zu sein. Er war es, im Grunde genommen, von Kindesbeinen an, er konnte nichts anderes sein. Sein Zionismus wurzelte tief im Erlebnis jüdischer Kultur, die er in Schrift- und Brauchtum zärtlich liebte. Er war nicht Zionist, wie so viele von uns, aus rationalen politischen und wirtschaftlichen Erwägungen, weil er Existenz und Glück für möglichst viele Juden auf die Dauer nur in Erez verbürgt sah, sondern weil er dem jüdischen Genius Auferstehung und Unsterblichkeit im Mutterlande sichern wollte. Sein Zionismus, seine Liebe zum jüdischen Volk und Wesen war romantisch, ob er für die heimliche Schönheit einer biblischen Erzählung oder Dichtung, für den Schwung, Stolz und Schmerz hebräischer Verse, für die Weisheit eines chassidischen oder maggidischen Wortes, ob er für die Süße einer synagogalen Melodie, ob er für den Aufbau von Erez schwärmte, das er zu seinem tiefen Schmerz nicht mehr hat sehen können. Aber dieser romantische Schwärmer wußte auch kühl und kritisch zu sein, wenn Vernunft und Verstand ihr Recht ford'erten. Seine Liebe hat ihn nicht blind gemacht. Denn Feitelberg versank und erschöpfte sich nicht im Gefühl. Er liebte den Geist und er hatte Geist. Er hatte den scharfen, schnellen, gliedernden Geist des Ostjuden, der Situationen und Zusammenhänge persönlicher, jüdischer, wirtschaftlicher Art sicher erfaßte und durchschaute. Er hatte den Geist des Witzes, die Freude an Spiel und Sprung der Gedanken, an grotesker Situationskomik. Sein Reichtum an geistvollen Witzen, nicht nur an jüdischen, war unausschöpfbar und bereitete seinen Freunden genießerische Stunden. Und Feitelberg hatte, ohne Wissenschaftler zu sein, einen ausgesprochen wissenschaftlichen Geist, mit dem er namentlich seine jüdischen Interessen zunehmend vertiefte. Gleich zu Beginn des VJSt. war er Mitglied der „Wissenschaftlichen Kommission", die in den ersten Jahren unserer Arbeit, als Erez noch fern lag, eine große Rolle im Verbindungsleben spielte, das wohltätige und notwendige Gegengewicht gegen den allmählich überwuchernden Komment. Er gab jahrelang volkswirtschaftliche Kurse. Seine gründliche hebräische Ausbildung in der Jugend erleichterte ihm das Mitgehen mit der Entwicklung unserer Literatur und Sprache, die er immer von neuem umwarb und eroberte. In den letzten 60