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Der jüdische Wille · 1934-03-01 · Heft 2 (März 1934) · page 20

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 2 (März 1934)
Date
1934-03-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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zehn Jahren, als ihm der Beruf mehr Muße ließ, verging wohl kaum ein Tag, an dem er nicht Hebräisch las, "];On systematisch und in ausgedehntem Mäße und nun, mit dem Auge des Geübten, gern auch zu kritischen Fragen kommend, die ihm die Jugend nicht gestattet hätte. Er las auch viel Neuhebräisch und er las nicht nur: er verstand. Er prüfte und verglich, er ergötzte sich und er tadelte. Feitelberg hatte ein außergewöhnliches, ein erstaunlich feines hebräisches Sprachgefühl, in gleicher Weise für das grammatische Gerippe unserer herrlichen Sprache wie für die Seele ihres Wortgefüges und für ihre Aesthetik. Kurz bevor er sich für immer niederlegte, hat er seine Erinnerungen geschrieben, in einem Hebräisch, wie es nur ganz, ganz wenige von uns schreiben können. Er spricht kurz von seiner Jugend in Kurland und dann ausführlich« und dies war der Hauptzweck seiner HWIDT / von den seiner Heimat/ denen er eine literarische und soziologische Betrachtung widmet und von denen er eine Anzahl sehr schöner nil&m und Dvt^D festhält (eine Uebersetzung wird vorbereitet). Und auch das ist echter Feitelberg: Drei Tage vor dem Stoß, der ihn aufs Krankenbett warf, hatten wir an Hand seines Manuskripts eine fast einstündige Unterhaltung über eine bestimmte grammatische Frage, über die, da wir nicht fertig wurden, am andern Tage er mir und ich ihm einen Brief mit Beispielen und Beweisen schrieb. So rundet sich das Bild seines jüdisch-wissenschaftlichen Interesses: von dem kleinen Iwreschüler, für den der *TO?D schon sehr bald nicht mehr zuständig war, über den Fuxen und Burschen des VJSt., dem die Aufgabe zufiel, die Verbindung geistig zu nähren, bis zum reifen Mann, der in unendlicher Liebe zu der Gespielin seiner jugendlichen Seele zurückkehrt und, Meister nun, sein Leben mit einer hebräischen Abhandlung abschließend krönt. Wunderbar war der rasche Aufstieg, den, damals noch denkbar, dieser vom Glück bevorzugte Ostjude nehmen durfte. Seine zweifellos überdurchschnittliche Intelligenz, seine klare Auffassungsgabe und ein bedeutendes kaufmännisches Verständnis schufen und sicherten David Feitelberg bereits um die Jahrhundertwende, als in der deutschen Wirtschaft das gewerbliche und berufaständische Organisationswesen erstarkte, bald einen ehrenvollen Arbeitsplatz. Dreißig Jahre wirkte Feitelberg als volkswirtschaftlicher Syndikus der Berliner Handelskammer, als Leiter zahlreicher Verbände, als wirtschaftlicher Gutachter und Schiedsrichter — beispiellos beliebt bei allen Kollegen und Berufsgenossen. Als seine einzige Tochter Ruth in der gleichen nationalökonomischen Disziplin wie er mit einer Untersuchung aus seinem Arbeitsgebiet promovierte, gipfelte sein väterlicher und sein beruflicher Stolz, Die erfolgreiche wirtschaftliche Tätigkeit unseres Freundes, die ihn ständig mit den führenden Männern der Berliner Wirtschaft in engste und vielfach geradezu freundschaftliche Beziehungen brachte, erlaubte ihm mit unermüdlicher Unterstützung seiner Gattin die Pflege einer behaglichen GeselligkeitV *n der sich sein heiteres Wesen beglückend entfaltete. Aber Feitelberg, der sich zu der Höhe seiner Existenz einmal regelrecht hinaufgehungert hat, begnügte sich nicht damit, mit denen, die ihm nahestanden, nur die frohen Stunden de$ Lebens zu teilen: so mancher ist im Laufe der Jahrzehnte bedrückt zu ihm gekommen und hat ihn, der wußte, wie es dem Elenden zumute ist, befreit verlassen; und heute, Wo er nicht mehr ist, werden viele von uns schmerzlich des älteren, echt bundesbrüderlichen Freundes gedenken, dem sie in schwerer Stunde einst Schicksalswende und Lebensgestaltung zu verdanken, hatten« Am QVYiS 2T1J7' haben' wir unsem Freund zu Grabe getragen, im Angesicht des Festtages, der das Abbild des zwischen Verzweiflung und Hoff* <t

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