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Der jüdische Wille · 1934-03-01 · Heft 2 (März 1934) · page 18

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 2 (März 1934)
Date
1934-03-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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dem religiösen Vater vorgelegt wurde, Religiosität und Wirklichkeitssinn waren die Bipolarität seines Wesens, riefen oft Widersprüche in seiner Lebenshaltung hervor. Aber immer wieder setzt sich die Zionsidee durch« und sie treibt ihn, nicht nur sein Denken, sondern auch sein Leben dieser Idee gemäß zu gestalten, Zu einer Zeit, als sich der deutsche Zionismus noch in einer rhetorischen und agitatorischen Phase befand, fühlte Zlozisti das Bedürfnis, seinen Zionismus wesenhafter zu gestalten. Lange schon vor Buber und Feiwel und vor dem Erscheinen des ersten „Jüdischen Almanachs" hat er im engeren Kreise von Jugendlichen, in „Jung Israel" und im eben gegründeten „K. I.V." auf die Notwendigkeit, sich sein Judentum neu zu erwerben, sich mit den alten Kulturgütern neu vertraut zu machen, hingewiesen. Seine Vorträge über „Geschichte der Assimilation und Emanzipation" waren die ersten wertvollen Versuche, sich über den Sinn unserer zeitgeschichtlichen Situation klar zu werden. — Von ihm ging die Anregung zur ersten Palästinareise aus, eine Leistung, die symptomatisch ist für die in ihm vorhandenen Verwirklichungstendenzen. Die Resolution des Posener Delegiertentages, die zum ersten Male ernsthaft das Problem der persönlichen Bindung an Palästina aufrollt, ist sein Werk. — Endlich muß daran erinnert werden, daß alle die, die nach ihm literarisch, agitatorisch oder organisatorisch an führender Stelle im deutschen Zionismus tätig waren, ohne Zlozisti und seinen Einfluß nicht zu denken sind. Er gehörte zu den ersten im deutschen Zionismus, die die Notwendigkeit der persönlichen Bindung des Einzelnen an Palästina erkannten und verwirklichten und er gehörte zu jenen, die nicht durch äußere Verhältnisse gezwungen, sondern aus innerer Notwendigkeit nach Palästina übersiedelten. Ueberblickt man sein bisheriges Lebenswerk, so ist man überrascht von der Fülle und Vielgestaltigkeit seiner Leistungen: Er hat wertvolle und anerkannte medizinisch-wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht. Er war als Praktiker ein besserer Psychologe als viele, denen Psychologie Beruf war. Er hat mit feinem Verständnis ostjüdische Dichtung der westlichen Welt nahegebracht. Er hat die Tragik der jüdischen Seele zu gestalten versucht. Endlich hat er die Vorbedingungen des jüdischen Seins der Gegenwart zu ergründen und zu analysieren versucht. Das hat ihn zu Moses Hess geführt, „dessen historische Bedeutung er" — wie Sombart sagt — „in erschöpfender Weise dargestellt hat". — Er blieb, der er war; er wollte nie mehr sein, als. er war. Er legte keinen Wert darauf, leitende Stellungen zu haben, ihm kam es darauf an, der Sache zu dienen, und sie durchzusetzen. Sein Machtstreben bestand darin, der Anschauung, die ihm richtig schien, zum Siege zu verhelfen, auch dann, wenn sie mit allgemein anerkannten oder offiziellen Anschauungen im Widerspruche stand. Er mag hier, vielleicht, zuweilen über das Ziel hinausgegangen sein, doch darf man nicht vergessen, daß er, vermöge Anlage und naturwissenschaftlicher Erziehung, ein Wirklichkeitsmensch wurde, der benutzte, was der Moment ihm bot, um seiner Idee zum. Ziele zu verhelfen. Er war „kein Ideologe und kein Bürokrat!" Er sah die Gefahren, die derartige Geistesrichtungen für das Aufbauwerk bedeuten. So dürfte vieles zu verstehen sein, was nicht die Billigung der Umwelt fand. Seine sprühende, lebendige, vielseitige Persönlichkeit ist von einem starken Optimismus getragen. Nur so konnte er Widrigkeiten und Schwierigkeiten, seines Daseins überwinden. Vor allem aber darum, weil er die Flamme der Zionsliebe in sich trug. Er ist ein Kämpfer, der nicht blindlings um sich schlägt, seine Methode ist die der alten Römer: fortiter in re, suaviter in modo. Er ist ein Kämpfer, der, trotz aller Lebensbejahung, mit sich und der Welt unermüdlich ringt. Er ist ein Kämpfer, ein Mensch mit seinem Widerspruch und dennoch eine einheitliche, geschlossene, die Ideenwelt und Lebenshaltung seines Kreises gestaltende Persönlichkeit. 59

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