Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 2 (März 1934)
- Date
- 1934-03-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Erledigung des Programms alles: Haben wir es schon verlernt, eine« wenigstens bescheidensten Ansprüchen entsprechende Zusammenkunft zu gestalten? (öder haben wir es nie verstanden?) Eine ehrliche Betrachtung gebietet die Feststellung, daß dieser Kartelltag überschattet war von den sogenannten Tel-Aviver Beschlüssen. Von Anbeginn an wurde in den verschiedensten Gruppen immer wieder die Frage ^erörtert, ob wir hier zu diesen Beschlüssen Stellung nehmen sollen oder nicht, und wenn ja, in welcher Weise/ Hätte der hiesige Kartelltag sich die Tel- Aviver Beschlüsse zu eigen gemacht, so wäre das Kartell in Deutschland zerfallen oder durch Neugründungen anderer Art lahm gelegt worden. Hätte der Kartelltag die Tel-Aviver Beschlüsse sachlich mißbilligt, so wären die Kartelle hier und drüben in eine schwer zu überbrückende gegensätzliche Entwicklung gedrängt worden. Hinzu kam, daß ein akuter Anlaß in den Verhältnissen in Deutschland nicht gefunden werden konnte, der eine Entscheidung der strittigen Frage gerade jetzt und gerade durch ein solches Gremium erfordert hätte. Hinzu kam schließlich, daß das vielgenannte, aber wenig gekannte, „Material11 überhaupt nicht vorlag. Schließlich zeigten viele Stimmen aus Palästina, nicht zuletzt die Botschaft von 76 Bundesbrüdern, daß auch drüben die Entwicklung in diesem Punkt als nicht abgeschlossen angesehen wird. So setzte sich die Meinung durch, daß dieser Kartelltag von einer Stellungnahme überhaupt Abstand nehmen solle, allerdings mit der gleichzeitigen Feststellung, daß die Tel-Aviver Beschlüsse auf das KJV in Deutschland keine Anwendung fänden. Der dahingehende mit großer Mehrheit angenommene Beschluß bewies m. E. ein großes Maß von Selbstdisziplin und Verständnis für die wirklichen KJV-Interessen, sowohl bei den leidenschaftlichen Gegnern wie bei den leidenschaftlichen Befürwortern jenes Beschlusses. (Eine leidenschaftslose Stellungnahme habe ich nirgends gefunden). Die Tendenz, daß man sich nicht in eine von hier äus schwer übersehbare, noch im Gang befindliche Entwicklung drüben „einmischen" dürfe, ging soweit, daß, z. B. von dem Kartelltagspräsidium aus, der Antrag, den Bundesbrüdern in Palästina die nochmalige Behandlung der Frage zu empfehlen, ausdrücklich mit der Begründung abgelehnt wurde, daß wir uns nicht in diese Frage einmischen sollten. Allerdings erfolgte diese Ablehnung mit ganz geringer Mehrheit, nachdem zunächst Stimmengleichheit sich ergeben hatte. Implizite war mit dieser Stellungnahme des 14. Kartelltages zu den Tel»Aviver Beschlüssen zugleich zu der Frage des Verhältnisses der beiden Teile des KJV zueinander Stellung genommen, und zwar im Sinne einer Autonomie des Kartelles hier und des Kartells drüben. Die Tätigkeit und Bewährung des KJV in Palästina wird im Ergebnis über das Schicksal aller KJV-Arbeit, wo auch immer, entscheiden. Selbstverständlich ist daher enge Zusammenarbeit, und •— in grundsätzlichen Fragen —• soll die Uebereinetknmung durch geeignete Organisationsformen gesichert werden. Die Ausarbeitung entsprechender Statuten stellt die beiden Präsidien vor eine nicht angenehme, aber auch nicht unwichtige Aufgabe. Der Kartelltag erteilte 4er neuen Leitung weitgehende Ermächtigungen, die schon deshalb notwendig waren, weil die gesamte uns betreffende Entwicklung noch im Flusse ist und jederzeit neue Entschlüsse erfordern kann. So sah der Kartelltag auch davon ab, mit dem Anspruch auf endgültige Festlegung Entscheidungen für die Jugendarbeit und in der Nachwuchsfrage 96.