Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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so kann und muß der kommende Kartelltag ein neuer Erster Kartelltag werden, so wie der K. T. des Januars 1919 ein Erster Kartelltag war. Wenn Blumenfeld auf der Arbeitstagung der zionistischen Ortsgruppen in Berlin am 2. Dezember sagte, wir ständen wieder am Anfang, so gilt dies auch vom K.J.V. Wir können nicht sterben; aber um zu leben, muß man zeugungsfähig sein« Es erscheint mir durchaus möglich, auch heute, ohne Universitäten, einen Nachwuchs in Deutschland heranzuziehen. Ueberall in den jetzigen Bünden, im Habonien, auch bei den Werkleuten, in den Ortsgruppen der Z.V.f.D., sind Jungen, die ihrer ganzen Natur nach für das Kartell prädestiniert sind; sie stehen in diesen Bünden menschlich und ideologisch oft ein wenig abseits, ihre zionistische Energie kommt dort nicht voll zur Entfaltung. Im K.J.V. würden diese Menschen sich wohlfühlen, könnte ihr zionistischer Wille voll entbunden werden. Sicher muß ein solcher Nachwuchs im wesentlichen chaluzisch sein; und es wird doch hoffentlich bald so weit sein, daß es im palästinensischen K.J.V. Möglichkeiten gibt, einen solchen Nachwuchs aufzunehmen. Damit kommen wir zu der zentralen Frage: wie soll das K.J.V. in Palästina sich einordnen? Zum ersten Male muß die politische Erziehung des Kartells sich im Lande selbst bewähren. Bisher waren K.J.V.er als Einzelne dort: heute ist es, wenn nicht maior, so doch sanior pars des ganzen Kartells. Man spielt mit dem Gedanken, eine Gruppe B der Allgemeinen Zionisten zu gründen. Ich weiß nicht, ob das nicht ein ganz verhängnisvoller Fehler sein würde. Wir würden uns damit von selber, freiwillig, hinunterbegeben auf das Niveau der anderen Parteien. Und dann wären wir rettungslos verloren. Denn mit den anderen Parteien könnten wir niemals konkurrieren. Massen würden wir nie auf die Beine bringen können. Unsere große Chance, das innerpolitische Leben des Jischuw umzugestalten und zu befrieden, liegt in unserem Charakter als Bund. Ein Bund, so groß wie der unsere, einheitlich in seiner Tradition, befestigt durch tausend Bande persönlicher Freundschaft, geschlossen in seinem zionistischen Willen — unbeschadet mancher Differenzierungen —, kann tiberall Einfluß gewinnen. Bei uns werden Städter und Landwirte sein, Kapitalisten und Chaluzim. Das K.J.V. muß und kann stark genug sein, die Klassen- und Interessenkämpfe in sich zu überwinden. Wir sind die einzige Körperschaft im Zionismus, der das bisher annähernd gelungen ist. Es muß uns auch weiterhin gelingen. Wenn wir das nicht können, kann es niemand in Palästina, und dann müßte man freilich sehr schwarz sehen. Gelingt es uns aber, so können wir Ungeahntes im Lande erreichen. Dann werden wir beispielgebend sein für alle anderen. Das können wir aber nur, wenn wir nicht als Partei auftreten. Wir können nur dann in dem erstrebten Sinne wirken, wenn unsere Menschen überall sitzen und überall im Sinne eines aufbauenden, ernsten, undogmatischen Zionismus arbeiten, Gegensätze nicht schüren, sondern überbrücken, Quer-Verbindungen schaffen, und als Gesamtheit, als K.J.V. sich für den Aufbau des Landes mit verantwortlich fühlen. Wir würden erfolglos sein, wenn wir uns in die Arena der Parteipolitik begäben. Das K.J.V. kann, jenseits dieser Parteipolitik, als ein geschlossener Bund ein bedeutsamer Faktor der nationalen Integration sein. Und dann kann jenes Wort Blumenfelds, um dessentwillen er oft bei uns belächelt wurde, sich vielleicht wirklich erfüllen: „Von diesem Kartell kann die Erneuerung des Zionismus ausgehen, heute wie einst!" 33