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Der jüdische Wille · 1934-01-01 · Heft 1 (Januar 1934) · page 27

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
2 (1934)
Issue
Heft 1 (Januar 1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Anlehnung an die alten Organisationsformen, Wir stehen vor einer völlig neuen Situation, wir haben überaus zahlreiche Bundesbrüder, oft die tätigsten, nach Palästina „abgegeben". So müssen wir hier den Bestand aufnehmen, die Reihen schließen, uns neu formieren. — Diese K.J.V.-Vereine (auch das Wort Verein wird sicherlich durch eine bessere Bezeichnung ergänzt werden), innerzionistisch überparteilich, werden sich intensiv an der zionistischen Arbeit in Deutschland, besonders auch an der Außenarbeit beteiligen müssen. Sie werden an der eigenen Entwicklung ihrer Mitglieder, auch der älteren, arbeiten; der Unterschied zwischen alt und jung ist ohnedies insoweit gegenstandslos, als alle wieder Lernende geworden sind. Diese K.J.V.-Vereine werden sich also zu ihrem bescheidenen Teil bemühen, „für die Erneuerung des Jüdischen Volkes und den Aufbau Erez- Israels in der zionistischen Bewegung zu wirken" — das ist aber nichts anderes als der Zweck des Kartells von jeher (§ 2 K.O.). * Ist so die Frage der Erhaltung des K.J.V., und zwar unter absichtlicher Außerachtlassung der Nachwuchsfrage, bejaht worden, so scheint mir doch auch für solche K.J.V.-Vereine die Möglichkeit zur Gewinnung neuer Menschen gegeben, sogar eine doppelte Möglichkeit. Einmal können m. E. Menschen, die einer anderen Generation als unsere früheren Keilfüxe angehören, fertige Akademiker gewonnen werden. Es gibt unter diesen zahlreichen Einzelne, die halb oder dreiviertel zu uns gehören, aber gerade den entscheidenden letzten Entschluß noch nicht gefaßt haben. Hier sehe ich eine spezifische Aufgabe für ein umgestaltetes K.J.V., die es besser erfüllen könnte als die Ortsgruppen. Allerdings ist in den wichtigen letzten neun Monaten schon viel versäumt worden. Manche der durch die Ereignisse „Erschütterten" haben sich inzwischen wieder „beruhigt" und sind uns heute vielleicht ferner als je. Es gibt Menschen, die wegen ihres prozionistischen „Irrtums" vom April 1933 mit uns geradezu böse sind. Andere sind enttäuscht, weil sie trotz ihrer Hinwendung zum Zionismus den Weg noch nicht ganz haben finden können — und weil wir den Weg zu ihnen noch nicht gefunden haben. Aktiven Gruppierungen von K.J.V.ern sollte es auch jetzt noch möglich sein, solche Menschen zu gewinnen, sie zu vollwertigen Zionisten zu machen und sie ins K.J.V. aufzunehmen, Menschen, die bisher sowohl wegen des andersartigen, nur den Jüngeren erfassenden Aufbaus des Kartells wie wegen des fehlenden geschichtlichen Anschauungsunterrichts des Jahres 1933 außerhalb unserer Reihen gestanden haben. Sodann werden tätige K.J.V.-Vereine, auch ohne studentischen Nachwuchs, immer eine wesentliche Aufgabe darin sehen, geeignete Bundesbrüder in die zionistische Jugendarbeit zu entsenden. Für die, meist jüngeren, Bundesbrüder, die schon jetzt diese Arbeit leisten, könnten tätige K.J.V.-Vereine einen besseren Rückhalt darstellen als aufgelöste Verbindungen und Altherrenbünde der bisherigen Art. Sie werden in diesen K.J.V.-Vereinen für ihre wichtige Jugendarbeit Mitarbeiter gewinnen. Ob dann aus den Kreisen der zionistischen Jugendgruppen neue Menschen hervorgehen, die Neigung und Eignung haben, als jugendlicher nichtakademischer Nachwuchs in das K.J.V. zu gehen: das kann erst die Entwicklung lehren, die Entwicklung sowohl der K.J.V.- Vereine wie der zionistischen Jugendgruppen. Eine vorzeitige organisatorische Bindung dürfte mehr Schaden als Nutzen stiften. Trotz allem Für bleiben genug Zweifel. Ist die Zeit für nichtparteimäßig gebundene Arbeit im Zionismus doch schon völlig vorbei? Belebt man nicht ein Gebilde, das bereits abgestorben ist? Läßt die Not des Alltags und der Existenzkampf Raum für Bundesbrüderlichkeit, die doch Uneigennützigkeit voraussetzt? Werden die persönlichen Palästinapläne nicht jede Kontinuität 28

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