Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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esse an der Aufrechterhaltung des besonderen Zusammenschlusses dieser etwa 1000 zionistischen Akademiker in Deutschland oder nicht? Ich stimme dem Befürwortern der Auflösung völlig darin bei, daß ein bloßes sogenanntes: Traditionsinteresse die Fortexistenz des K.J.V. nicht rechtfertigen würde. Erinnerungen zu pflegen, mag eine freundliche Gewöhnung älterer Menschen sein, die, in gesicherten Verhältnissen lebend, noch im Silberhaar gern entschwundener Zeiten gedenken. Ja, die Wahrung der Tradition kann einen sehr vernünftigen Sinn haben, wenn sie mit dem Wunsch und der Hoffnung verknüpft ist, daß die entschwundenen Zeiten einmal wieder kommen und daß dann, weil die Tradition gewahrt sei, das Alte leichter wieder neu erstehen könne. Demgegenüber befinden sich die noch in Deutschland verbliebenen K.J.V.er weder innerlich noch äußerlich in einer Lage, in der ihnen an der Pflege bloßer Erinnerungen gelegen ist; und die Wiederkehr eines Zustandes, in dem sich die jüdische Jugend, auch wenn sie es wieder dürfte,, zum Studium akademischer Berufe in Deutschland drängt, liegt nicht einmal in der Linie unserer Wünsche. Danach kann ein wie auch geartetes Traditionsinteresse für die Aufrechterhaltung unseres Zusammenschlusses nicht maßgeblich sein, sondern nur einu Lebensinteressej ein allgemeinzionistisches, ein Gruppeninteresse, ein menschlich-persönliches. II. 1. Die Aufrechterhaltung des K.J.V. in Deutschland liegt m* E. im zionistischen Interesse, weil die in Frage kommenden Menschen für die zionistische Arbeit nötiger gebraucht werden denn je und weil sie für diese Arbeit immer noch eher und immer wieder eher durch einen zusätzlichen. Impuls, wie er von dem K.J.V. ausgegangen ist und ausgehen kann, angespornt und geleitet werden als durch den ausschließlichen Appell offizieller zionistischer Instanzen. Man mag diesen Zustand bedauern, ja man mag es verurteilen, daß noch immer nicht jeder K.J.V.er einen festen zionistische» Wirkungskreis außerhalb des K.J.V. gefunden hat (von einem Versuch, diesen Zustand zu erklären, soll hier abgesehen werden) — aber man muß die Tatsache feststellen, daß das Bestehen des K.J.V. als solches für die zionistische Organisation eine zusätzliche Möglichkeit bedeutete, Kräfte für die zionistische Arbeit zu gewinnen. Gerade jetzt, wo die zionistische Arbeit in Deutschland den Verlust zahlreicher Kräfte ersetzen und aus einer unverkennbaren Enge des Mitarbeiterstammes herauskommen muß, wird sie auf — alte oder neue — Kräfte, die aus einem lebendigen K.J.V. kommen können, nicht ohne Grund verzichten wollen. Dabei muß sich das K.J.V. freilich selber von Enge und Engherzigkeit frei machen und darf nicht seine ohnedies geschwächten Reihen durcfe unfruchtbare Unduldsamkeit, Ketzerriecherei und das leidige aburteilende Schlagwortwesen weiter schwächen und zersetzen. Nur so kann es die zionistische Gemeinschaft bleiben, in welcher Zionisten als solche, ohne innerzionistisch parteipolitische Abstempelung und trotz dieser, menschlich vertrauensvoll zusammenwirken. Die Erhaltung einer solchen Gemeinschaft dürfte gerade jetzt eine zionistische Aufgabe sein, eine Aufgabe freilich, deren Erfüllung voraussetzt, daß „das Kartell als solches zu parteipolitischen Fragen innerhalb des Zionismus nicht Stellung nimmt und die Bundesbrüder nicht auf bestimmte Meinungen festlegen will" (s. J.St. Heft 8 Dezember 1928, Richtlinien des Präsidiums). Die Entwicklung des letzten Jahres hat gezeigt, daß wir nicht leichtfertig Bundesbrüder als zionistisch verloren aufgeben dürfen. Mancher als lau und inaktiv Gescholtene hat sich plötzlich in Palästina, auf Grund zäher vernünftiger, wenn auch stiller Vorbereitung, als ein für den 26