Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 1 (1933)
- Issue
- Heft 1 (September 1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2827066-3186697-3186698--0706-3186764- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hierbei muß klar ausgesprochen werden, daß diese Gruppen und da* K.J.V. in Palästina überhaupt sich nicht abschließen und beschränken dürfe» auf die aus Deutschland stammenden Menschen» Im Gegenteil, muß es m. E* unser dringliches Bestreben sein, um uns alle diejenigen zu sammeln, die sich unsere Idee einer Erziehung zu Bundesbrüderlichkeit und politischer Fairness zu eigen machen. Nur so kann uns, wie ich glaube, auf der einen» Seite unsere Verwurzelung im Lande gelingen und auf der anderen Seite unser Wille, dem Lande unsererseits etwas Positives zu geben, verwirklicht werden« In jedem Falle bin ich der Ansicht, — und dies wird weiter unten nocb dargestellt werden —, daß, wenn es nicht gelingt, in Gruppen gemeinsam in Palästina Fuß zu fassen, wir nur noch kurze Zeit die Möglichkeit haben werden, unsere Erziehungsarbeit fortzusetzen. Denn, hier stehe ich im Gegensatz zu Konrad Jacoby, unsere Organisation in der Galuth wird nur noch kurze Zeit Träger eines wirklichen Erziehungswerks sein können. Die Verbindungen, in deren Händen allein die zionistische Erziehung der jüngeren Generation gelegen hat, bestehen im wesentlichen nicht mehr. Die außer in Berlin noch in Frankfurt und Breslau vorhandenen Kreise von jüngeren Bundesbrüdern werden sich aller Voraussicht nach auch nicht mehr lange halten können. — Wenn Konrad Jacoby der Ansicht ist, daß das* Schwergewicht unserer Erziehungsarbeit in die Hachscharah-Gruppen verlegt werden kann, so ist dies m. E. ein Irrtum. Richtig ist daran nur, daß int diesen Gruppen diejenigen, die bereits durch die Erziehung des K.J.V. gegangen sind, sich zur Klarheit über ihre zukünftigen Lebensformen in Palästina durchringen werden können. Daß aber neugeworbene Menschen, in den Hachscharah-Gruppen, eine jüdische und zionistische Erziehung erhaltenwerden, ist m, E. unmöglich. Einmal liegt dies an der naturgemäß durchaus mangelnden Kontinuität der menschlichen Zusammensetzung derartiger Gruppen. Ferner pflegen die Menschen von der Arbeit selbst so stark int Anspruch genommen zu werden, daß die Möglichkeit zu einer wirklich gründlichen zionistischen Durchbildung, die auch unter den gegenwärtigen Verhältnissen m. E. unerläßlich ist, nicht besteht. — Hierbei möchte ich auf die negativen Erfahrungen hinweisen, die wir in dieser Richtung in der Praktikantenschaft des alten Blau-Weiß gemacht haben, Erfahrungen, die in jedem von uns, der aus dem Blau-Weiß hervorgegangen ist, doch durchaus lebendig sind. Nach alledem bin ich der Ueberzeugung, daß das. Schwergewicht der K.J.V.-Erziehungsarbeit nach Palästina zu verlegen ist. Deshalb muß m. E* die Schaffung der landwirtschaftlichen Siedlung in Palästina bald in Angriff genommen, ebenso mit der Bildung von Handwerkergruppen usw. begonnen werden. Diese Gruppen, die, wie oben dargestellt, den Kern des K.J.V. in Palästina bilden sollen, müssen den Versuch machen, unsere Bundesbrüder, die bereits ihre zionistische Erziehung hinter sich haben, bei sich einzuordnen» während die neugeworbenen Menschen die Hachscharah in der Galuth auf das geringste fachlich mögliche Maß beschränken und einen möglichst großen Teil ihrer Hachscharah in Palästina in den Gruppen des K.J.V. durchmachen sollten. Denn nur so kann m. E. eine Erziehung gewährleistet werden, die unsere Menschen, befähigt, die Tradition des Kartells fortzusetzen. Voraussetzung ist allerdings, daß diese Vorstellung von der Bildung besonderer K.J*V.-Gruppen in Palästina realisierbar sind. Für Deutschland sehe ich die Aufgabe des K.J.V. in erster Linie in der Mitarbeit innerhalb der zionistischen Organisation und an sämtlichen anderea 12