Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 1 (1933)
- Issue
- Heft 1 (September 1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Vorstellung, daß wir erst dorthin den wahren Zionismus bringen. Unsere Hauptaufgabe ist, Menschen, die frei von jüdischen Zusammenhängen sind, in die jüdische Realität Palästinas einzugliedern. Unsere Bundesbrüder werden zunächst viel lernen müssen, ehe sie mit dem Anspruch auftreten dürfen, am Bau unseres Landes führend mitzuwirken« Wir wollen aber versuchen, unsere Idee des Zionismus im eigenen Kreise durchzusetzen. Wir müssen auch dort eine — gewissermaßen —moralische Instanz haben, welcher sich die Bundesbrüder in ihrem zionistischen und menschlichen Verhalten unterordnen. Von entscheidender Wichtigkeit ist für uns alle das Bewußtsein, daß, wenn wir als Zionisten nach Palästina gehen, uns dort eine solche große kollektive Aufgabe erwartet. Wenn wir in diesem Geiste arbeiten, dann wird vielleicht einmal die heutige Alijah des deutschen Judentums nach Palästina von bleibendem Werte für das Land gewesen sein. Der konkreten Aufgaben in Palästina gibt es heute schon genug. Es braucht hier nur daran erinnert zu werden, daß mit den deutschen Zionisten eine ungeheure Anzahl von deutschen Juden nach Palästina gegangen ist, die bestenfalls dem Zionismus sympathisch gegenüber stehen. Aus Konjunktur-Zionisten und Nichtzionisten gilt es, Menschen zu machen, die auch national einen wesentlichen Faktor unserer neuen Heimat bilden können. Darüber hinaus müssen unsere Bundesbrüder im Lande nunmehr an eine Aufgabe gehen, auf die sich die Hoffnungen vieler unserer Menschen in der Galuth konzentrieren. Unabhängig von der Frage des Zieles unseres Bundes besteht nämlich jetzt für jeden einzelnen von uns und insbesondere für die Bundesbrüder, welche sich bereits in der Hachscharah befinden, das Problem ihrer zukünftigen Lebensgestaltung in Palästina. Der Mentalität einer nicht unerheblichen An-* zahl unserer Menschen würde wohl eine kleinbürgerliche Existenz mit möglichst weitgehender Selbständigkeit mit Aufstiegsmöglichkeiten und mit einer möglichst großen privaten Sphäre entsprechen. Diesen Menschen müssen wir' sagen, daß die Verwirklichung derartiger Lebensziele in dem kleinen Palästina nur für wenige Aussicht hat, daß eine solche Einstellung im Grunde auch der zionistischen Auffassung, nach welcher unsere Generation Dienst am Volke zu leisten hat, nicht entspricht. Für viele Menschen wird das kollektivistische Leben der Arbeiterschaft die ihnen gemäße Lebensform bilden. Ohne den Wert dieses Lebens, für den Aufbau Palästinas leugnen zu wollen, glauben wir doch, daß ein solcher Lebensstil bei dem Typ unserer Menschen keine allgemein befriedigende Lösung wäre. Wir glauben, daß die Renaissance des jüdischen Volkes durch den Zionismus auch durch andere Lebensformen repräsentiert wird, als durch die kollektivistische, und daß Juden auch unter anderen sozialen Vorstellungen ihrer Verpflichtung dem jüdischen Volke und dem Aufbau des Landes gegenüber gerecht werden können. Jedenfalls müssen wir unseren Menschen das Recht zustehen, in eigenen kollektiven Formen ihr Leben zu gestalten, unter Umständen zu leben, welche am wirksamsten ihre Kräfte für den Aufbau des Landes frei machen. Es gab früher eine Diskussion über die Frage der landsmannschaftlichen Siedlung. Man hat sie für deutsche Zionisten und für K.J.V.er insbesondere meist abgelehnt, weil man bei der geringen Zahl unserer Menschen im Lande für sie eine geistige Isolierung befürchtete. Heute, da die Einwanderung deutscher Juden zahlenmäßig bedeutend geworden ist, und die Gruppierung von Menschen gleicher Herkunft und gleicher Probleme bezüglich der Umstellung und der Eingliederung einem natürlichen Bedürfnis entspricht, darf man nicht dogmatisch an der alten Einstellung festhalten. Die Idee der landsmannschaftlichen Siedlung hat sich heute in Palästina fast überall durch*- gesetzt. Die deutschen Zionisten, die heute in größerer Zahl nach Palästina;