Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 105 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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der Marburger »Tagung teilweise nicht gesehen, teilweise auf eine etwas sonderbare Weise behandelt. — Dr. Wyneken streift diese Schwierigkeiten, ohne sich jedoch auf ilfren Kern einzulassen, wenn er von dem Wunsch der Freideutschen Jugend spricht, sich einen einseitigen Typus zu bewahren oder, wenn er den etwas schiefen Ausdruck „Verblondungsgefahr" gebraucht Ihm nach andere und so auch das A. C. S.: die Freideutsche Jugend ist ein Kartell blonder Tippeltröpfe zur Aufrechterhaltung der eigenen Beschränktheit. Rechnen wir die in dem Ausdruck liegende Übertreibung ab, zu der den Schreiber wohl eine erklärliche Erregtheit brachte, so bleibt doch die große Schwierigkeit noch, deren klare Erkenntnis ein besseres Verständnis für die Marburger Tagung und sicherlich eine andersartige Kritik verursacht hätte. Man kann aus verschiedenen Motiven für den gleichen Gedanken eintreten. Man kann z. B. für die Abstinenz aus einem bestimmten Gefühl der eigenen Kraft eintreten, indem man das mit dem Trinken meist verbundene Philistertum, jenes Zufriedensein mit der eigenen Borniertheit, bekämpft; man glaubt, daß man fähig ist, eine angeregtere Geselligkeit zu schaffen. Man kann auch aus andern Gründen für die Abstinenz eintreten. Wer kennt nicht jene spezielle Art des Reformphilisters, den Limonadephilister? Zweitens. J^an kann für das gleiche Ziel mit den verschiedenartigsten Mitteln kämpfen. Man kann z. B. für sexuelle Reformen eintreten, indem man sich und andere zur Selbstbeherrschung, Verantwortlichkeit, zu einer Frivolität und Zynismus entgegengesetzten Gesinnungsart erzieht. Man kann für sexuelle Reformen einzutreten glauben, indem man mit seiner sexuellen Not nicht allein fertig zu werden sich bemüht, sondern sie öffentlich breit tritt. Diese Beispiele sollen verständlich machen, daß eine der Hauptschwierigkeiten für die Marburger Vertreter in der Beantwortung folgender Frage lag (wenn diese Frage auch nicht gerade in dieser Formulierung ausgesprochen wurde): Soll m der F. J. gehören, wer für bestimmte Ziele eintritt,. wer bestimmte Ideen hat, ganz gleichgültig, aus welchen Gründen und mit welchen Mitteln er für sie eintritt, also ganz gleichgültig, wie der Mensch beschaffen ist, der für sie eintritt, oder 105