Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 99 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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wärtigen Erziehungspraxis intellektuell, ethisch, sozial und physisch nicht zu ihrem Rechte kommt, dies Erlebnis aller, dessen deutlichstes Symptom der Wandervogel ist, muß allerdings im Bewußtsein der „F. J." eine selbstverständliche Voraussetzung sein. Und daß Versuche eigener, edlerer, wahrerer, gesünderer, geistigerer Lebensgestaltung, eigenes Ringen nach einer „Jugendkultur", wie sie vom Wandervogel und von den Sprechsälen ausgehen, prinzipiell zu begrüßen sind und mit unter den Begriff der Freideutschen Jugend fallen, auch wenn sie in Opposition zu Maßnahmen oder Richtungen der offiziellen und autoritativen Erziehung stehen, das muß man auch unumwunden anerkennen, und hat es ja schon einmal getan, als man veröffentlichte: „Soweit drüben auf Seiten des „Anfangs" eine Jugend steht, die ehrlich nach Heranbildung ganzer, selbständiger Menschen durch strenge Selbsterziehung strebt, so grüßen wir sie als unsere Mitkämpfen" Es ist ganz selbstverständlich, daß die „F. J." sich für die besondere Arbeits- und Kampfesweise dieser Gruppe ebensowenig verantwortlich erklären kann, wie hinsichtlich irgendeiner anderen. Nur das Prinzip muß sie anerkennen, daß Vergewaltigung des Gewissens und der Überzeugung auch der Schuljugend nicht erlaubt ist, daß die Schuljugend das Recht hat, dagegen sich durch selbsterzieherische Selbsthilfe zu wehren, kurz, daß es auch in den Schülerjahren ein — rechtlich nicht umschreibbares — Recht.der Jugend auf sich selbst und auf ein eigenes Leben gibt, und eben weil dies Recht nicht juristisch festlegbar, ja, kaum begrifflich faßbar, überdies von Individuum zu Individuum verschieden, seine Geltendmachung also Sache des Taktes ist, sollten am allerwenigsten die älteren Kameraden die Jugend hier im Stich lassen, nur um sich an ihrem so {ungeheuer schwierigen Problem nicht die Finger zu verbrennen. Die Jugend der Schule hat mutige, treue Helfer unter ihren älteren Kameraden jetzt nötiger als je; und damit sollte diese Frage eigentlich schon entschieden sein. Mehr aber als die Furcht vor unabsehbaren Konflikten mit den öffentlichen Gewalten bestimmt vermutlich eine andere Erwägung die „F. J." zur allzu vorsichtigen Haltung, nämlich die Sorge um ihren Nachwuchs. Man furchtet als Folgen eines Odiums, das von denen, in deren politischem Interesse es lag, 99