Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 98 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Erlebnis. Es gab doch ein Erlebnis vom Hohen Meißner, und das Sichfinden der ganzen Jugend war ohne Frage ein wesentlicher Bestandteil dieses Erlebnisses. Dies unmittelbar Gewfese, noch nicht durch die Reflexion Gebrochene müssen wir uns zu erhalten und wieder lebendig zu machen suchen, von ihm aus werden wir den Weg finden, der uns geziemt. Wir müssen uns frei machen von dem unzulänglichen Intellektualismus der Marburger Programmacher und wieder Gefühl für die Sache selbst bekommen. III. Man fürchtet, Unmögliches zu unternehmen, wenn man sich mit der noch nicht bündnisfähigen, weil noch gebundenen Schuljugend einläßt. Natorp, wie es scheint, der eigentliche Vater der unglücklichen Marburger Formeln, hat besonders eindringlich die Schrecken eines Konflikts mit den Mächten von Staat und Gesellschaft der Jugend vor die Augen zu halten gesucht. Arbeiterführer hätten darüber vielleicht gelacht. Unsere Akademiker, politisch ungeschult, aufgewachsen in dem Gedanken, ab Staatsdiener einmal ihr Brot zu erwerben, während ihrer ganzen Jugendzeit unmittelbar abhängig, aber auch wohlgehütet, von jenen staatlichen und sozialen Gewalten, haben ein starkes Organ für die Stimme der Vorsicht; sie perhorreszieren von vornherein den Gedanken eines Kampfes. Aber glaubt man eine geschichtliche Wende ohne Kampf heraufführen zu können? Offenbar schweben jenen Vorsichtigen abenteuerliche Bilder von Revolution und Generalstreik vor. Und doch ist nirgends in dem erwachten und vorwärtsdrängenden Teile der Schuljugend jemals mit solchen Gedanken gespielt worden. Nicht eine Zeile im „Anfang" kann so ausgelegt werden. Bisher hat die Gegenaktion der Jugend gegen die geistige Unterdrückung und sittliche Depravierung durch unsere Erziehungsfaktoren einzig und allein bestanden erstens in öffentlicher Aussprache und Kritik („Anfang")» zweitens in Organisation eigener. Gemeinschaften zum Zweck geistiger Selbsthilfe („Sprechsäle" — im Prinzip nichts anderes als Wandervogel und Germania); und es ist auch nicht abzusehen, welche anderen Wege in Zukunft von der Schuljugend gefunden werden könnten. Diese Wege aber wird man fortan der Schuljugend prinzipiell offen halten müssen. Daß die Schuljugend in der gegen- 98