Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 87 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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ist eine wahre Gefahr für die Germania. Wenn zwei dasselbe tun, ist es ja bekanntlich noch lange nicht dasselbe. Und wenn zwei Vereinigungen Abstinenz fordern, können Gründe und Endzwecke ihres Handelns sehr verschieden sein. Die Guttempler handeln aus Menschenliebe und wollen eine soziale Not beseitigen; die Germanen machen Opposition gegen verächtliche Sitten und wollen eine wahre, eine jugendliche Kultur (— „Jugendkultur" sagen sie nicht gerne —) erreichen. Manche sehen nicht ein, daß dieser Unterschied wesentlich ist und meinen wegen einer — ich möchte sagen zufälligen — Übereinstimmung in der äußeren Betätigung eine möglichst enge Gemeinschaft herbeifuhren zu müssen. Wer die Macht des Ord.ens kennt und die verschwindende Zahl der Germanen dagegen hält — nach den erheblichen Verlusten des letzten Jahres sind es nur noch 600 Schüler — der weiß, wessen Eigenart dabei zugrunde gehen muß. Trotz der verzweifelten Anstrengungen der Freunde des Ordens ist dann ein Beschluß zustande gekommen, der die Bundeszeitschrift die „Deutsche Jugend" aus der Gemeinschaft mit den Wehrlogen des Ordens löst und hoffentlich überhaupt ein Verlassen des dem Orden gehörigen Neuland-Verlages zur Folge hat. Die Selbständigmachung des Bundesorgans wäre natürlich ein unschätzbarer Erfolg. Zu meiner Freude war es mir möglich, unter dem Kapitel „Freideutsche Jugend" mich eingehender über den „Anfang" zu verbreiten. Zwar zeigten besonders die Guttempler ehrlichen Abscheu, aber ich darf hoffen, wenigstens Interesse geweckt zu haben. Manches persönliche Wort bewies mir später, daß es auch hier Leute gibt, die uns nur erst durch uns selbst und nicht nur durch die entstellenden Gläser unsere Feinde kennen lernen müssen, um auf unsere Seite zu treten. Dieser Bundestag der Germania hat einen wahrhaft erhebenden Eindruck bei mir zurückgelassen. Hier sind Kräfte am Werk, hier ist Leben, hier ist Jugend! Was bedeuten dahingegen äußere Mißerfolge! Ich ziehe sie großen organisatorischen Ei folgen vor, wenn diese — wie so leicht — von einer Verflachung oder dem Verlust der Idee verbunden sind. Der Zweck dieser Zeilen war, zu zeigen, daß hier noch eine kleine Jugendgemeinschaft besteht, die uns Freunden vom „Anfang4' innerlich näher. verwandt ist als der gewöhnlich dafür erkannte Wandervogel. Innere und äußere Freiheit der Jugend ist unser Ziel. Die Germanen schaffen die breite Basis, die Kampfgenossen im „Anfang" führen den Bau in die Höhe. Beide können einander nicht entbehren, beide müssen sich gegenseitig schätzen lernen. Leider steht es noch so, daß beide nichts voneinander wissen wollen. Warum? Eben weil sie nichts voneinander wissen. Dem sollte dieses abhelfen. E, B. Sachse, Bonn 87