Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 78 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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Schülerspiegel 90 Prozent der Gymnasialjugend stellt ein gequältes Zerrbild kindischen Flegeltums dar. O wie qualvoll sind diese langen Stunden des Unterrichts, wo über die gleichgültigsten und fadesten Dinge gelacht und gewitzelt wird — was dann der Oberlehrer gewöhnlich mit sichtlicher Genugtuung als „jugendlichen Frohsinn4* zu empfinden scheint —, wo das geistige Niveau des einzelnen so sehr herabsinkt, wo Herdengeist ödester Art sein Regiment föhrt, wö die Hälfte sich mühsam wach erhält, — und dann wankt man hinaus nach den fünf Stunden, nervös überreizt und angegriffen durch den Kampf mit der Müdigkeit und Geistlosigkeit, und noch dazu die Selbstverachtung im Herzen, daß man sich auch hat hinreißen lassen zu jenem platten Frohsinn; um dann mühsam sein besseres Selbst am freien (wenigstens etwas freieren!) Nachmittag und Abend wieder aufzubauen und dann am nächsten Morgen wieder hineinzutrotten in die Tretmühle und zum verächtlichen Buben zu werden--! So was muß man erlebt haben, um es nachfühlen zu können; nicht nur einmal, sondern Hunderte mal, in der schönsten Zeit des erwachenden Jugendlebens! — H.F. Aus demLandederbayrischenSchulmänner. Als Mitglied des A. C. S. verkehre ich mit einigen Münchener Gymnasiasten. Da entspann sich mal folgendes Gespräch: Ich: „Nun, ist der ,Anfang* hinter den Münchener Schülern stark verbreitet?" Der andere: „Leider nicht. Die Menschen haben keinen Sinn dafür. Wir verteilen in der Klasse Probenummern und Flugblätter, aber es hilft nichts." Ich: ,,Ei, ei, Sie verteüen Probenummern, furchten Sie nicht, von den andern verraten zu werden." Der andere: „I wo! Die sind selber froh, wenn sie auf der Redoute nicht erwischt werden." F. F. Mono Man schreibt uns aus München: Einigen Primanern erzählte ich vom „Anfang" — keiner hatte etwas davon gehört — sie antworten lächelnd: „Uns geht's nix mehr an, wir kommen im Sommer sowieso raus." — Ein Studienkamerad von mir sagt, er begeistere sich für nichts. ... In unsrer Prima war schwüle Stimmung. Es war ein neuer Geschichtslehrer zu uns gekommen, der „Neuerungen" einführen wollte. Er trug seinen Stoff nicht einfach vor, damit wir ihn in der nächsten Stunde hersagen sollten, sondern suchte nur Anregungen zu geben, um uns dann selbst die geschichtlichen Zusammenhänge erkennen zu lassen. Kam es einmal vor,- daß zwei von uns verschiedene Antworten gaben, so sagte er nur: „Disputieren Sie!" und wollte so, nur wenig eingreifend, uns selbst das 78