Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 77 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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schwer wog. Und erst die Prädikatskommission! So gut wie mir der Oedanke erscheint, die Schüler darum zu befragen, wie sie über ihre Mitschüler denken — sie wissen oft viel besser als die Lehrer zu urteilen — auch hier hat oft parteiliche Gesinnung den Ausschlag gegeben, Rücksichten auf die Eltern des Schülers, das Examen etc. jedochhat diese Kommission noch verhältnismäßig am besten geurteilt, weil die Bedeutung der Quartalszeugnisse die Schüler ihr Amt ernster nehmen ließ. Die Ordnungskommission hat überhaupt nichts getan, nur Schularbeiten haben ihre Mitglieder in den Pausen gemacht und sich um die Ordnung nicht gekümmert. Die Hausarbeitskommission hat am meisten gelogen. Wenn wir % Stunden gearbeitet hatten, dann stand in ihrem Buch sicher I1/2 Stunden. So ist die Selbstverwaltung ein Mittel der Schüler geworden, ihre Lehrer zu betrügen. Am Anfang war es nicht so, damals hat man die ganze Sache noch ernst genommen. Die Schüler waren damals stolz auf das entgegengebrachte Vertrauen, und die Kommissionen fühlten die Pflicht, ihren Mitschülern gerecht gegenüber zu treten. Das verlor sich allmählich. Dazu trug einerseits bei, daß die Lehrer sich je länger je weniger um die Selbstverwaltung kümmerten. So wurden oft Strafen von den Lehrern verhängt, ohne daß die Kommission befragt worden wäre, z. B. pflegten manche Lehrer störende Schüler sofort mit Ohrfeigen oder Hinauswerfen aus der Klasse zu bestrafen, auch Strafarbeiten wurden eigenmächtig aufgegeben. Andererseits liegt das Mißglücken des Versuches darin begründet, daß an dem feindseligen Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern auch durch die Selbstverwaltung pichts geändert wurde. Die Schüler fühlten sich nach wie vor als Partei, die vor den Lehrern möglichst günstig dastehen will und jedes Mittel dazu benutzen darf. Es ist schon von verschiedenen Schülern die Anregung gegeben worden, die Selbstverwaltung überhaupt abzuschaffen, da sie doch keinen rechten Einfluß mehr hat und nur allerhand Zopf und Bürokratismus in das Klassenleben hinein bringt Doch war die Mehrheit nicht dazu zu bewegen, da sie immer noch gelegentliche Vorteile gegenüber der Macht der Lehrer durch sie zu gewinnen hoffte. 77